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Leserbrief

Haben Lügen überhaupt Beine?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 5. September 2020

Oder genauer, es kam wie es kommen musste. Der richtige Weg wäre eben gewesen, den Bahnhof Nendeln analog Schaan aufzufrischen, in Schaanwald eine überdachte neue Haltestelle bauen, die Bahnsteige erneuern und die Fahrzeiten wo nötig anpassen und wir hätten eine wunderbare Zugverbindung, von Feldkirch bis Buchs, welche den Bedürfnissen noch sehr lange mehr wie genügen würde. Natürlich könnte man auf die Lokomotiven auch noch salopp «S-Bahn» schreiben, wenn dies den modernen Liechtensteiner befriedigen sollte. Ob man für dieses Züglein den Doppelspurausbau braucht, erläutert obiger Titel ganzheitlich. Für das Kreuzen dieser Züglein genügt Geleis 2 in Nendeln nämlich allemal. Und wenn in der Früh so viele Grenzgänger kommen, dass es der Halbstundentakt nicht mehr packt, muss man halt noch einen Waggon anhängen, oder zwei drei Züge zusätzlich in Feldkirch parken. Wo-rauf die Menschen in diesem Lande nicht hereingefallen sind, war das viele und vor allem sehr unanständige Schaumgeschlage wie: Es würden sich dann entlang der Bahn unzählige Firmen ansiedeln und somit würden noch viel mehr Grenzgänger, natürlich alle mit der Bahn, kommen. Aber was sollen die denn bitte den lieben langen Tag lang produzieren? Gesichtsmasken und Impfstoffe gegen das böse Virus? Oder vielleicht Fahrräder und Wanderschuhe für das neue mobile Liechtenstein? Oder wir würden international abgehängt und unserer Jugend die Zukunft versauen, war die Mutter des Unsinns schlechthin. Dass der Doppelspurausbau für den Halbstundentakt zwingend sei, gar die Grosslüge in ihrer vollen, gemeinen Verrucht- und Frechheit. Unterführung in Nendeln? Ein Projekt, besser gesagt, ein verirrtes Projektil aus der Kanone liechtensteiner Strassenbaukünstler. Dort macht man eine Kreiselabzweigung zum Berg hin, führt diese sanft nach unten und fährt mit einem Tunnel unter der Bahn durch bis zur bestehenden Strasse. Nur in dieser Art wird so etwas gemacht. Der grösste rektale Wind jedoch war, diese Bahn als «das» Rückgrat dieses undefinierbar kuriosen Mobilitätskonzeptes verkaufen zu wollen. Wenn ich davon meinem Kanarienvogel erzähle, frisst der vor Wut erst den Wellensittich auf und verabschiedet sich hernach auf der Draisine Richtung Frümsen. Eine gute Lüge mit langen starken Beinen wäre: Zugeben, dass den Herren Planern Mut und Visionen vollumfänglich fehlen und diese S-Bahn als Vorwand herhalten musste, um von der Unfähigkeit abzulenken, endlich zukunftsfähige Lösungen anzupacken.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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