Leserbrief

S-Bahn: Grenz- überschreitungen

Erich Hasler, DpL, Komitee S-Bahn Nein | 27. August 2020

Der emotionale Abstimmungskampf um den S-Bahn-Ausbau treibt immer neue Blüten. Neuerdings bombardieren nicht nur Unternehmer, sondern sage und schreibe auch einzelne Gemeindevorsteher ihre Mitarbeiter mit Propagandamaterial der S-Bahn-Befürworter. Keine ausgewogene Information, sondern Gehirnwäsche ist die Devise der zusehends hemdsärmlig und unzimperlich vorgehenden S-Bahn-Befürworter. Da werden nach meiner Ansicht ganz klar Grenzen überschritten, wenn Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten anhalten oder drängen wollen. Wenn es um öffentliche Arbeitgeber geht, dann ist ein solches Vorgehen umso verwerflicher.
Die S-Bahn-Befürworter behaupten u.a., dass es bei dieser Abstimmung um die Verbindung der S-Bahn-Netze der Schweiz und Österreich gehe. Dies ist falsch. Die entsprechende Bahnverbindung zwischen den beiden Netzen besteht bereits seit 150 Jahren, und einen S-Bahn-Takt gibt es seit 20 Jahren. In Tat und Wahrheit geht es bei dieser Abstimmung um einen Gleisausbau auf liechtensteinischem Gebiet, der hauptsächlich der ÖBB und dem zukünftig stark zunehmenden Güterfernverkehr zugutekommt. Die unangenehme Wahrheit ist, dass die S-Bahnzüge von den österreichischen Pendlern trotz Halbstundentakt (Abfahrt Feldkirch: 06.49, 07.14 07.45 und in Gegenrichtung Abfahrt Buchs 16.19, 16.49, 17.19) nur sehr wenig benützt werden, obwohl die AT-Grenzgänger die bestehende S-Bahn mit der «maximo»-Karte gratis benützen können. Das sagt doch schon alles.
Die Befürworter schlagen nun regelrecht Purzelbäume, um die letzten unentschlossenen Bürger umzustimmen und behaupten nun, dass die heutigen Schienen (eigentlich eine Technologie aus k. u. k.-Zeiten) «durch die zu erwartenden weiteren technologischen Durchbrüche dereinst in Zukunft ganz andere Verkehrsabwicklungen ermöglichen werden, als wir uns dies heute in den kühnsten Science-Fiction-Träumen vorstellen können: z.B. in ganz anderer Form, viel schneller, lautlos, sicherer, absolut autonom, zeitgenau, energiearm und so weiter». Liebe S-Bahn-Befürworter, träumen ist selbstverständlich erlaubt, aber mutiert bitte nicht zu Märchenerzählern, sondern sagt endlich mal etwas Konkretes. Sagt doch endlich mal, wie hoch der Eigenfinanzierungsgrad dieser S-Bahn sein wird, wer von uns Liechtensteinern diese S-Bahn benützen wird und wie ihr die Leute zukünftig auf diese S-Bahn zwingen wollt.

Erich Hasler,
DpL, Komitee S-Bahn Nein

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