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Leserbrief

Reales Beispiel

Luke und Eric Peppard, Im Wingert 33, Schaan | 26. August 2020

Angesichts der bevorstehenden Abstimmung wollten wir unsere Situation als reales Beispiel in die Diskussion einbringen. Wir wurden als Kinder irischer Eltern in Vaduz geboren, sind in Liechtenstein aufgewachsen, wurden hier ausgebildet, sind aktive Mitglieder in verschiedenen Vereinen und haben Liechtenstein öfter international vertreten. Das Land Liechtenstein hat viel in uns investiert (Bildung, Sport, Musik) und es ist in Liechtensteins Interesse, diejenigen Einwohner beizubehalten, die eine wahre Verbindung zu diesem Land haben, das heisst die hier aufgewachsen sind, die hier in der Gesellschaft komplett integriert sind und die die Kultur verstehen, respektieren und leben. Momentan besteht aber keine Garantie, dass Leute in unserer Situation zurückkehren können, wenn wir eine gewisse Zeit im Ausland verbringen, um beispielsweise berufliche Erfahrung zu sammeln. Im Kontext der heutigen Globalisierung wird es immer unrealistischer, dass man eine Verbindung zu nur einem Land hat. Liechtenstein hat diese Tatsache erkannt und erlaubt bereits die doppelte Staatsbürgerschaft. 2015 besass rund jeder vierte Liechtensteiner (24,8 Prozent) eine doppelte Staatsbürgerschaft (Tendenz steigend). Während wir natürlich erkennen, dass es für einen Kleinstaat wie Liechtenstein unermesslich ist, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Erhalt von Tradition und der Treue des Volks einerseits und den Ansprüchen eines modernen Staates andererseits herzustellen, sollte erwähnt werden, dass die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft bei Einbürgerung immer noch eine volle Integration voraussetzt, da die Anforderung, 30 Jahre in Liechtenstein gelebt zu haben, weiterhin besteht. Wir sind ebenso in der Liechtensteiner Kultur integriert wie alle unsere Liechtensteiner Freunde, mit dem Unterschied, dass wir aufgrund unserer Eltern auch irische Wurzeln haben. Diese Tatsache können wir nicht ändern, gleichzeitig sollte aber auch nicht darüber hinweggeschaut werden. Die Bedingung für die Staatsbürgerschaft sollte ein tiefes Engagement für das Land, seine Menschen, seine Kultur, seine Sprache, seine Traditionen und Ambitionen sein. Ein Verzicht auf unsere bisherige Staatsbürgerschaft würde zu keiner höheren Integration in Liechtenstein führen. Abschliessend eine analoge Frage: Beeinträchtigt Ihre Verbindung zu Ihrer Familie mütterlicherseits Ihr Verhältnis zu den Verwandten väterlicherseits? Könnten Sie sich zwischen diesen beiden Seiten – welche Sie so grundlegend prägen – entscheiden?

Luke und Eric Peppard, Im Wingert 33, Schaan

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