Leserbrief

S-Bahn-Träumerei

Herbert Elkuch, DPL-Landtagsabgeordneter Komitee S-Bahn Nein | 24. August 2020

Der Bankenverband (LBV) gab im Volksblatt vom 22. August 2020 ein Interview zur S-Bahn. «Die S-Bahn stellt eine echte und wichtige Alternative zum Individualverkehr dar.» «Das ganze Land profitiert von der S-Bahn.» Schön formuliert, aber Fakt ist, die S-Bahn fährt quer über unser längliches Siedlungsgebiet und verbindet in Liechtenstein lediglich zwei Weiler mit einem Dorf.
Zitat LBV: «Dass sowohl die Mitarbeitenden als auch Gäste und Besucher grundsätzlich bereit sind, die Bahn zu nutzen, wenn das Angebot stimmt. Das ist z. B. von St. Gallen, aus dem Thurgau oder Bregenz viel weniger der Fall. Hier ist das Angebot einfach noch zu unattraktiv und der Zeitverlust im Vergleich zum Auto viel zu gross.» Unsere S-Bahn löst diese Probleme genauso wenig, auch dann nicht, wenn 175 Grundstücke für die ÖBB vorwiegend für den Doppelspurausbau in Schaanwald übergeben werden. Für Schweizer, ob sie in Bendern oder Vaduz arbeiten, ist eine S-Bahn in Nendeln und Schaanwald bedeutungslos. Zitat LBV: «Wir sehen das tagtäglich; gerade in den Stosszeiten stauen sich die Autos an den Grenzübergängen und vor allem in Eschen, Schaan und Vaduz. Wir brauchen also die ­S-Bahn als Alternative. Wenn es uns gelingt, realistische 10 % oder mehr von der Strasse auf die Bahn zu bringen, dann rechnet sich die S-Bahn.» Das wäre eine S-Bahn-Fahrgast-Steigerung von über 1600 Prozent! Die Grenzen von Liechtenstein werden an Werktagen täglich von 104 000 Motorfahrzeugen überquert (Zählung Fa. Besch). 10 Prozent davon auf die Bahn bedeutet, dass über 10 000 Personen mit der S-Bahn die Grenze überqueren müssten. Gemäss ÖBB-Zählung im 2018 überquerten mit der S-Bahn bei 18 Fahrten in den Morgen- und Abendstunden nur 607 Personen pro Werktag die Grenze. Wichtig ist der erwähnte Beisatz im Zitat: «dann (bei 10 Prozent) rechnet sich die S-Bahn». Gemäss Bankenverband ist also eine Fahrgast-Steigerung von über 1600 Prozent notwendig, damit die S-Bahn sich rechnet. In den letzten 20 Jahren sind nur wenige auf die S-Bahn umgestiegen, die Nachfrage ist zu klein. Einer der Interviewpartner: «Ja, ich komme meist von St. Gallen aus mit dem Auto zur Arbeit. Zwar könnte ich im Zug von St. Gallen nach Buchs arbeiten; allerdings dauert ein Weg von Tür zu Tür fast drei Mal so lange wie mit dem Auto.» Danke für die ehrliche Antwort. Das trifft auch für andere Grenzgänger zu. S-Bahn-Zwang mindert die Attraktivität der Arbeitsplätze und deshalb S-Bahn NEIN.

Herbert Elkuch,
DPL-Landtagsabgeordneter
Komitee S-Bahn Nein

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