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Leserbrief

Schade eigentlich!

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 24. August 2020

Damian Becker vom «Vaterland» rollte kürzlich die Geschichte der im Jahre 1905 geplanten Schmalspur-Eisenbahnlinie von Landquart bis Schaan auf. Heute spricht man nicht mehr von Schmalspurbahnen, sondern von Meterspurbahnen, wie die Rhätische Bahn RhB eine ist. Auch alle Trams in der Schweiz, auch in Innsbruck, etc. fahren auf einer Meterspurschiene. Der Beitrag ist lesenswert. Damian Becker schreibt, dass das Liechtenstein im Jahr 1905 bitterarm war. Ein paar Sätze später schreibt Daniel von armen Liechtenstein. Mit «Bitterarm» verbindet man eine Hungersnot. Eine solche partielle Not gab es in dieser Zeitepoche nicht, sondern erst Ende 1. Weltkrieg. Unsere Historiker möchten bitte dies berichtigen, wenn es nicht stimmt. Auch der Begriff «arm» passt nicht so richtig. Unter «arm» versteht man, dass kein voriges Geld unter den Matratzen liegt. Der grosse Teil der Einwohner Liechtensteins waren damals Selbstversorger und schufteten von früh bis spät in ihren Ställen und auf ihren Grundstücken. Die wenigen Geldscheine, die unter den Matratzen lagen, fielen der Geldentwertung Ende 1. Weltkrieg zum ­Opfer. Es war damals ein einfaches Leben, ohne Kreditkarten. Der Begriff «bitterarm» und «arm» wirkt ein wenig despektierlich. Nun zurück zur Meterspur. Die Meinungen bezüglich Eisenbahnprojekten waren damals, ebenso wie heute, gespalten. Es war damals nicht nur die SBB, die gegen das «Liechtensteiner Projekt» einer Meterspurbahn bis Schaan wetterte, sondern auch der damalige Direktor A. Laubi der Südostbahn, Verfasser eines Gutachtens gegen das Projekt vom Initiativ-Komitee für den Bau einer Eisenbahnlinie Schaan-Ragaz-Maienfeld-Landquart in Meterspur. Für A. Laubi, gemäss seinem Gutachten vom 28. August 1907, ist jede Schmalspurbahn (Meterspurbahn) nur ein blosser Notbehelf und mit wenig Opulenz und Luxus für den Personenverkehr ausgestattet. Für einen Güterverkehr nicht tauglich, meinte damals A. Laubi! Solche Auseinandersetzungen sind nichts Neues, wo Einzelpersonen ein Projekt durch Dick und Dünn lancieren oder versuchen zu verhindern. Eine Bewertung über Vor- und Nachteile unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten unterbleibt dann in der Regel. Am Schluss wird nur ideologisch und doktrinär argumentiert. Dass sich die Rhätische Bahn RhB mit seiner Meterspur während den letzten hundert Jahren zu einem fantastischen und tauglichen Verkehrsmittel für Alpen- und Voralpenregionen entwickelt hat, zeigt die vollkommene Akzeptanz in Graubünden. In den Agglomerationsorten Basel, Bern und Zürich fahren die Trams ebenfalls auf Meterspurschienen. Die Vorteile der Meterspur sind frappant bis zur Behindertentauglichkeit. Die neuen Bahnhöfe und die neuen Zugskompositionen entlang von Meterspurbahnen sind absolut behindertentauglich, was man von der ÖBB- und SBB-Normalspur nicht behaupten kann. Schade ­eigentlich, dass diese RhB-Meterspurlinie von Landquart bis Schaan nie realisiert worden ist.

Hans Frommelt,
Gapont, Triesen

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