Leserbrief

Nein zu Blindflug

Herbert Elkuch, Komitee «S-Bahn Nein» | 22. August 2020

Die S-Bahn wird innerhalb Liechtensteins kein Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Sie verbindet zwei Weiler mit einem Dorf und liegt quer zum Siedlungsgebiet. Sie wird heute und auch in Zukunft im Binnenverkehr nur wenig benutzt. In Liechtenstein wird das gute Busangebot bevorzugt, auch grenzüberschreitend. Aus dieser Sicht lohnt sich die grosse Investition nicht. Die S-Bahn als Verbindung des S-Bahn-Netzes in Vorarlberg und der Ostschweiz ist mangelhaft. Zerstückelte und kurze Linien bringen mehr Umsteigezeit und komplizierte Fahrpläne. Das S-Bahn-Netz von Vorarlberg und der Ostschweiz müsste miteinander verschmolzen werden, sodass das Rheintal mit langen S-Bahn-Linien mit wenig Umsteigepunkten befahren wird. Der Einschub einer kurzen S-Bahn von einem weiteren Anbieter macht keinen Sinn. Mit Nein werden die Türen für eine Lösungsfindung geöffnet, von der das ganze Rheintal profitiert. «Lasse man viele S-Bahnzüge fahren, sei weniger Platz für Güterzüge»: aus meiner Sicht ein schlechtes Argument. Die Anzahl Güterzüge müsste mit einem Vertrag beschränkt werden. Mit Steuergeld fast leere S-Bahn-Züge fahren lassen, um die Güterzüge auszubremsen, das ist Kindergarten. Zudem bleibt auch mit der S-Bahn genügend Kapazität für weit mehr Güterzüge, als heute verkehren. Mit Nein zur S-Bahn kann neu verhandelt werden. Güter auf die Bahn ist okay, aber Liechtenstein soll bestimmen können, was alles durch unser Land gefahren werden darf. Immer mehr Stimmen werden laut, wonach die Schienen aufzurollen sind. Die ÖBB besitzt heute in Liechtenstein eine völlig kostenlose Betriebsfläche mit 161 000 Quadratmetern. Bei einer Kündigung würde diese riesige Fläche, zum Teil in Wohngebieten, entschädigungslos in den Besitz von Liechtenstein übergehen. Ob eine Auflösung der Konzession zwischenstaatliche Verträge (Völkerrecht) verletzt, kann ich nicht beurteilen. Bei einem Nein zur S-Bahn kann ein Abgeordneter diesbezüglich zeitnah einen parlamentarischen Vorstoss machen, um rechtzeitig Klarheit zu schaffen, bevor im Jahr 2022 die Konzession erneuert werden muss. Insgesamt ist vieles unklar. Für eine Entscheidung braucht es Alternativen zum Vergleichen. Es geht um eine Investition mit langjährigen Folgekosten. Mit Nein kann nichts schiefgehen, im Gegenteil, effizientere Punkte im Mobilitätkonzept können vorgezogen werden. Die ÖBB läuft nicht gleich davon, ihren kostenlosen Grossgrundbesitz in Liechtenstein hängt sie nicht gleich an den Nagel. Wir sitzen am längeren Hebel und mit einem Nein zur S-Bahn sind gute Verhandlungsoptionen gesichert.


Herbert Elkuch, Komitee «S-Bahn Nein»

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