Leserbrief

Politische Orkanböen

Elmar Bürzle, Heraweg 29, Balzers | 20. August 2020

Gleich wie die Abstimmung über die S-Bahnteilstrecke ausgeht, nicht wenige politische Verunglimpfungen bleiben zurück. Das Klima spielt wirklich verrückt. Die Orkanböen toben durchs Land und ziehen im Sog alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist, bis auf wenige Landtagsabgeordnete. Böen mit dem Wörtchen «enkeltauglich» haben inzwischen sogar unseren Erzbischof erreicht. Nach Wolfgang Haas kann dieses Wörtchen vielleicht zum Wort oder Unwort des Jahres werden. Die Ja-Parole wird von den derzeitigen Kapitänen beherrscht. Es wird nicht einfacher nach solchen Auseinandersetzungen junge politische Kräfte für das Gemeinwohl zu gewinnen. Vielleicht ist die Zeit für die feurigen Befürwortern nach der Volksabstimmung reif, über die nachfolgenden Stichworte in den publizierten Leserspalten nachzudenken, bevor sie weitere übereilte Schritte tätigen:
• Zweijährige Versuchsphase mit Takterhöhung von zusätzlicher Mietung von S-Bahnzügen und Feinverteilbussen für die 75 Prozent umsteigewilligen Pendler nach den Umfrageberichten, bevor man gleich 71,3 Millionen verbaut.
• Erneute unterstützende Versuchsphase mit gratis FL-Bus-Abos.
• Förderung und Lenkung von Pendlergemeinschaftsfahrten.
• Schildbürgerstreich: Es wird über die Vorlage des Finanzbeschlusses vom 4. Juni 2020, Ausbau Eisenbahnstrecke Feldkirch bis Buchs (SG), abgestimmt, bei dem sich die ÖBB im Oberland an den Anpassungs-Strassenbauprojekten nicht beteiligt. Im Unterland sind 19 Millionen Franken für die Strassenausbauten vorgesehen. Ist das wirklich ein fairer und vorteilhafter Finanzierungsschlüssel für Liechtenstein? Es ist zudem davon auszugehen, dass nach dem vorliegenden Verpflichtungskredites sämtliche Bahnübergänge in Schaan unverändert niveaugleich bleiben.
• S-Bahn, Verfassung und Souveränität. Will man mit solchen Argumenten die Bevölkerung hinters Licht führen oder steckt viel mehr dahinter?
• Zuerst die Hausaufgaben mit dem neu zusammengesetzten Landtag ab Februar 2021 und der Bevölkerung abarbeiten, bevor unausgereifte Vereinbarungen mit der ÖBB zu bestätigen sind.
Nähmen die jungen und älteren Befürworter dieses S-Bahnteilprojektes den Klimawandel und Umweltschutz für die Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt wirklich ernst, müssten sie sich auch für die weniger populären möglichen Versuchsphasen zeitnah dafür eintreten. Ansonsten bleiben die herzergreifenden Lippenbekenntnisse für die nächsten Generationen nur leere Worthülsen.

Elmar Bürzle, Heraweg 29, Balzers

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