Leserbrief

«S-Bahn-Projekt» nicht zu Ende gedacht

Erich Hasler, DpL-Abgeordneter | 8. August 2020

Zum S-Bahn-Projekt, zu dem auch eine Verkehrslösung Schaan zählen muss, liegen keine ausgereiften Pläne bezüglich Machbarkeit und Kosten vor. Es kann nicht sein, dass die Stimmbürger/-innen über einen Kredit von 72 Mio. Franken abstimmen, ohne die genaue Endlösung zu kennen. Der neuralgische Punkt, die Streckenführung in Schaan, wurde bereits ausgeklammert. Für die ÖBB kommt eine Bahn-Unterführung aufgrund des Kosten-Nutzen-Verhältnisses nicht in Frage. Eine Strassenunterführung wiederum wird derzeit von der Gde. Schaan abgelehnt. Die Kosten, sei es für eine Tieferlegung der Gleise oder eine Unterführung, dürften auf jeden Fall weit über 100 Mio. Franken betragen. Für die Befürworter scheinen beide Optionen möglich zu sein, weil Geld offensichtlich keine Rolle spielt. Ob die Stimmbürger/-innen aber bereit sein werden, die unsinnigen Kosten für eine dieser beiden Varianten in Zukunft zu tragen, ist höchst unsicher. Und schliesslich werden die ewigen Verhinderer von Strassenbauprojekten, LGU und VCL, gegen eine Verlängerung des Industriezubringers zur Zollstrasse mobil machen. Dazu kommt, dass von der ÖBB längerfristig eine Bahn-Nordschleife favorisiert wird, die durchs Schaaner Riet führt und im Landesrichtplan bereits enthalten ist. Die Nordschleife soll nach 2035 konkretisiert werden. Wir haben dann zwei Bahnlinien, welche unser kleines Land durchschneiden! Der zweite neuralgische Punkt ist Nendeln. Für die Unterführung in Nendeln muss die heute ebene Feldkircherstrasse auf einer Länge von 250 m um bis zu 4 m abgesenkt werden. Trotzdem hat die Strasse immer noch gegen 10 % Steigung. Dazu wurde an den Informationsveranstaltungen der Regierung überhaupt nichts erklärt, obwohl es auch zur Umfahrungsstrasse mehr Fragen als Antworten gibt (massiver Eingriff in die Landschaft; Zufahrten zu den Liegenschaften im Bereich der Kreuzung, Zufahrt für die Lkws ins Industriegebiet Nendeln). Auf welcher Grundlage wurden die Kosten für diese Strassenführung ermittelt? Für eine Entscheidung muss eine grobe Kostenschätzung für alle wesentlichen Ausbaustufen des Mobilitätskonzepts vorliegen. Für die Kosten-/Nutzen-Rechnung muss zudem von den Unternehmen, welche die S-Bahn unbedingt wollen, eine Garantie für deren Nutzung vorliegen. Oder soll der Steuerzahler am Ende des Tages allein das Risiko für die Defizite tragen? Die Stimmbürger/-innen müssen sich genau überlegen, ob sie einem Projekt zustimmen wollen, welches in vielen Punkten nicht zu Ende gedacht ist und wesentliche Details offenlässt.

Erich Hasler, DpL-Abgeordneter

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