Leserbrief

Totgesagte leben länger!

Arnold Matt, Purtscher 7, Mauren | 29. Juli 2020

Die gleiche Diskussion, über den Nutzen einer Eisenbahn, wie wir sie derzeit führen, wurde im Ausland bereits mehrfach und viel früher schon geführt. Ich führe hier zwei kleine Beispiele mit positivem Ergebnis an:
• Die Vinschgaubahn in Südtirol wurde 1990 aufgelassen und erst wieder im Jahr 2005 in Betrieb genommen. Zitat aus Wikipedia: «Die ursprünglichen Prognosen zur Entwicklung der Fahrgastzahlen wurden bereits nach kurzer Zeit bei Weitem übertroffen. Zu Stosszeiten und in der Tourismussaison gelangte die Bahn bald an ihre Kapazitätsobergrenze.» Im April 2014 erklärte der Südtiroler Landesrat Florian Mussner, dass bei inzwischen etwa 2 Millionen Fahrgästen jährlich insbesondere in den Hauptverkehrszeiten und zur Tourismussaison die Kapazitätsobergrenzen erreicht seien.
• Zitat aus der Geschichte der Zillertalbahn: «Mitte der 1960er-Jahre sollte die Zillertalbahn zugunsten des Ausbaus der Zillertalstrasse eingestellt werden.» Im Jahr 2007 begann der teilweise zweigleisige Ausbau der Zillertalbahn und im Dezember 2010 wurde ein alternierender Takt eingeführt, bei dem sich bei jeder zweiten Fahrt die Reisezeit um bis zu neun Minuten verkürzt. Jährlich werden im öffentlichen Schienennahverkehr circa 2,83 Millionen Fahrgäste befördert. Dabei ist der Schüler- und Lehrlingstransport auf Bahn und Bus mit circa 50 Prozent der gesamten, gemeinsam erbrachten Beförderungsleistung ein wesentlicher Beitrag zur Mobilität des Zillertales.
In Liechtenstein sind immer wieder die Argumente zu hören «die Bahn nütze nichts und würde nur ein paar Hundert Personen befördern». Andernorts wurde das bereits viel früher ausdiskutiert und ist mit steigenden Passagierzahlen widerlegt worden.
Die obigen Beispiele sind sicher nicht 1:1 auf unser Land übertragbar – aber den Mut, in Verkehrsprojekte zu investieren und somit vorauszuschauen hatten unsere Nachbarn. Diesen Mut müssten auch wir Liechtensteiner aufbringen.
Noch eine Anmerkung: Luxemburg hat der Deutschen Bahn die Bahnstrecke bezahlt, um die täglichen Pendlerströme in der Stadt Luxemburg zu bewältigen und diese von der Strasse weg zu bringen.
Für mich ist deshalb ein mutiges Ja zur S-Bahn klar.

Arnold Matt, Purtscher 7, Mauren

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