Leserbrief

Warum ich für die S-Bahn bin?

Hubert Sele, Triesenberg, IG Mobiles Liechtenstein | 29. Juli 2020

Auf der Fahrt zum Bahnhof Feldkirch. Ich steh’ im Stau, rutschweise geht es vorwärts. In der Kolonne vor mir das Postauto und ein Lastwagen, beladen mit Kies, hinter mir ein Schreiner mit seinem Lieferwagen. Langsam zweifle ich, ob ich meine Mitfahrer noch zur rechten Zeit am Bahnhof abladen kann. Ein schwacher Trost, dass die Leute im Postauto vielleicht auch ihre Anschlüsse in Feldkirch verpassen werden. Der Schreiner und der Lastwagenchauffeur werden für die im Stau verbratene Zeit wohl den Lohn bekommen, entweder der Unternehmer oder der Auftraggeber werden dies aber berappen. Eigentlich ein ökologischer und wirtschaftlicher Unsinn, der da abgeht, dachte ich mir. So erlebt vor Kurzem.
Die Anzahl Arbeitspendler wird in Zukunft noch zunehmen und wir werden von Jahr zu Jahr mehr im Stau stecken. Es braucht dringend einen Ausbau und eine Neuausrichtung der Verkehrsinfrastruktur. Eine attraktive S-Bahn ist ein erster wichtiger Schritt, die Optimierung des Strassennetzes und insbesondere der Bau von Busspuren für den ÖV müssen folgen, so wie der Landtag die Regierung beauftragt hat.
Ja zu S-Bahn, weil:
1. jeder Arbeitspendler, der die S-Bahn benützt, ist weniger auf der Strasse;
2. mit der S-Bahn wird nicht ein neues Schienentrasse durch das Land gelegt. Die Schienen sind seit 150 Jahren vorhanden. Es geht um eine Verbesserung dieser Bahnlinie und der Wildwest-mässigen Bahnhöfe und um einen Doppelspurausbau der Gleise von Tosters bis Nendeln, damit ein attraktiver Taktfahrplan geboten werden kann;
3. die St. Galler und Vorarlberger bauen ihre S-Bahnlinien vom Bodensee bis nach Sargans und nach Feldkirch und weit ins Walgau hinein aus. Die S-Bahn in Liechtenstein ist eine logische und relativ kurze Verbindung dieser Zuglinien;
4. die Finanzierung ist für unseren Staat kein Problem. Die Kosten von 71 Millionen werden sich über mehrere Jahre verteilen. Die Reserven von 2,5 Milliarden Franken sind genau auch für solche Zukunftsprojekte vorgesehen, die unseren Nachkommen – Kinder und Enkelkinder – einen florierenden Wirtschaftsstandort, Arbeitsplätze und Wohlstand sichern;
5. das investierte Geld wird nicht nach Wien oder Bern geschickt, sondern fliesst grösstenteils an das einheimische Gewerbe.
Also Mut und Weitsicht und ein Ja zur S-Bahn!

Hubert Sele, Triesenberg, IG Mobiles Liechtenstein

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