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Leserbrief

Bahnkonzession

Sigmund Elkuch, St. Florinsgasse 18, Vaduz Markus Sprenger, Rheinau 16, Triesen | 22. Juli 2020

Es ist zu überlegen, ob man die Konzession mit der ÖBB nicht aufkündigen sollte. Die ÖBB ist schlauer als unsere Verhandlungsdelegation. Die ÖBB wird die Geleisekurve in Schaanwald (Streckenabschnitt zwei) auf unsere Kosten begradigen. Für die S-Bahn braucht es das nicht, aber für die Güterzüge und den Personenfernverkehr ist die Begradigung in Zukunft unabdingbar. Die Güterzüge aus BRD und dem Osten werden immer länger und schwerer. Bis 2030 sind sie nach Angaben bis 1000 Meter lang. Bei so langen Zügen sind die Bahnschranken noch länger zu. Für die steile Strecke über St. Gallen müssen sie dann eine oder zwei Schublokomotiven anhängen, das ist umständlich und kostet Geld. Also fahren sie aus ökonomischen Gründen über die flache Strecke Bregenz-Feldkirch-Buchs-Zürich. Diese Lastzüge sind zudem mit Gefahrgut beladen. Lastzüge nutzen uns in Liechtenstein gar nichts, sind aber doch ein zusätzliches Risiko und grosse Lärmbelästigung für unsere Bevölkerung. Wenn die Seidenstrasse fertig ist, kommen noch mehr Lastenzüge auf diese Strecke, vor allem nachts. Von Enkeltauglichkeit kann da keine Rede mehr sein, im Gegenteil, die müssen nur noch zahlen. Mitteleuropa profitiert und die Liechtensteinische Bevölkerung hat die Lärmbelastung und Risiken für Jahrhunderte im Land.
In Deutschland sind in den letzten 35 Jahren über 6000 Kilometer Bahngeleise stillgelegt worden, weil praktisch kein Bedarf mehr existiert. Also eine Stilllegung ist keine Ausnahme. Die Mobilität hat sich die letzten 100 Jahre stark verändert und wird sich noch weiter entwickeln. Zum Beispiel weitgehend unfallfreie Selbstfahrmobile. Unser Staat ist nicht verpflichtet, eine S-Bahn zu finanzieren, um die relativ kleine Gruppe Pendler aus Vorarlberg nach Liechtenstein und Werdenberg für viel Geld zu ihrem Arbeitsplatz zu bringen. Dafür ist der Arbeitgeber zuständig, er verdient ja auch an diesen Leuten.
Bei prozentual so kleiner Auslastung, mit Pendlern, die sich nach 20 Jahren Betriebszeit der S-Bahn mit 18 Bewegungen ergab, stellt sich die Frage der prognostizierten Bahnannahme der Pendler bis jetzt jedenfalls noch nicht, und von Rentabilität nicht zu reden. Angeblich sind die Verbindungszeiten noch zu wenig angepasst. Warum wurde das bis jetzt nicht besser koordiniert? Wieso soll das mit 48 Zügen besser werden? Die Einnahmen der S-Bahn gehen gegen 0. Aber die Ausgaben steigen kontinuierlich. Warum sollte das in den nächsten 20 Jahren mit 48 oder gar 70 Zügen besser werden. Die betroffenen Fahrgäste sind über 2 Stunden verteilt, leicht mit einem Bus und näher beim Haus abzuholen. Mit den zusätzlichen, auf Dauer wiederkehrenden mindestens 166 000 Franken pro Monat für den Betrieb der S-Bahn kann noch so manches gemacht werden. Die Flächen der Geleise-strecken sind willkommen bei unserem raren Boden. Das Ortsbild in Schaan wird auch erheblich verbessert. Internationale Züge können in Sargans, Buchs oder Feldkirch bestiegen werden. Für die gesparten Kosten der Haltestellen werden die Busse Jahrzehnte lang gratis fahren und mit dem beschriebenen Vorschlag meines Leserbriefes von Ortsbussen der vergangenen Woche wird der Stau auch weitgehend vermieden. Die Bahnkonzession ist sicher eine Überlegung wert. Die S-Bahn Nendeln-Schaan ist weit entfernt von Enkeltauglichkeit und finanziell ein für Jahrhunderte Fass ohne Boden.


Sigmund Elkuch, St. Florinsgasse 18, Vaduz
Markus Sprenger, Rheinau 16, Triesen

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