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Leserbrief

Die Zeit vor der Abstimmung

Elmar Bürzle, Heraweg 29, Balzers | 16. Juli 2020

Begriffe und Begründungen an den Bahninformationsveranstaltungen via TV-Übertragungen und Zeitungen regen zum Nachdenken an. Bei den Fussweg und Radwegen im Mobilitätskonzept 2030 wurde an vieles gedacht, sogar bis hin zur Wunschverbindung beim Ellhorn in Balzers über den Rhein. Beim Ausbau des bestehenden S-Bahn-Konzeptes sieht es anders aus.
In seine Mobilitätspläne liess sich der Verkehrsminister lange Zeit nicht in die Karten schauen. Das Leitprojekt S-Bahn mit Verflechtung von den Strassen und Schienen sowie Doppelspurausbau von Schaanwald bis Nendeln liegt nun vor. Nach Offenlegung griff der Landtag aktiv in das Geschehen ein und forderte, bis zum nächsten Jahr auch durch Schaan für Bahn/Strasse vertiefte Verkehrskonzepte vorzulegen. Frühere Regierungsmitglieder hatten bereits Studien über Bahntrassee-Absenkungen durch Schaan in Auftrag gegeben, und deren Berichte liegen vor. Laut den Befürwortern setzt sich die Gemeindevertretung in Nendeln die letzten 10 Jahre aktiv für eine Strassenunterführung ein. In Schaan sei hingen in dieser Richtung die Gemeindevertretung nicht an das Verkehrsministerium herangetreten. Anderseits lautet die Aussage eines DU-Landtagsabgeordneten: Eine Unter- oder Überführung beim Industriezubringer in Schaan konnte nicht realisiert werden, da die Damen und Herren der Freien Liste, der VCL und die LGU volle Arbeit leisteten. Wer schenkt nun dem FL-Stimmvolk reinen Wein ein?
In der Schweiz und in Österreich beansprucht der Schienen-Güterverkehr dasselbe Infrastrukturnetz wie der Personalfern- und der Regionalverkehr. Aufgrund der in allen drei Bereichen wachsenden Nachfrage für die Erhöhung der Schienenkapazitäten investieren die Schweizer massiv in die Bahn. In der Gesamtstrategie des Kantons St. Gallen aus dem Jahre 2017 ist unter anderem sinngemäss zu lesen: «Das eidgenössische Parlament hat in der Herbstsession 2015 die Totalrevision des Gütertransportgesetzes verabschiedet, das die Schlechterstellung des Güterverkehrs beim Ausbau des Personenverkehrs verhindert. Im Zeitraum zwischen 1980 und 2014 hat der Güterverkehr in der Schweiz auf der Strasse mit +155 Prozent wesentlich stärker zugenommen als derjenige auf der Schiene mit +39 Prozent. Ferner werden auch die angrenzenden Verlade- und Terminalstandorte Buchs und das naheliegende Terminal Wolfurt in Vorarlberg für die St. Galler Wirtschaft erwähnt.» Nach dem Bundesamt für Verkehr bewältigt rund ein Viertel der gesamten Gütertransportleistung die Schiene. Für dieses Amt ist die Bahn für die Versorgung innerhalb der Schweiz und für den Austausch mit dem Ausland von grosser Bedeutung. Zudem fordern Umweltschützer schon seit vielen Jahren, den Güterverkehr vermehrt von der Strasse auf die umweltschonendere Schiene zu verlegen. Da bleibt wahrscheinlich in Zukunft auch die Bahnstrecke durch Liechtenstein nach erfolgtem Doppelspurausbau (Nendeln-Schaanwald) nicht verschont. In Buchs wurde schon im Jahre 1969 darauf reagiert und die Bahnschranken nach Liechtenstein aufgehoben! In Liechtenstein ist diese Thematik auch im Jahre 2020 immer noch ungelöst. Für die Junggebliebenen ist zu den Bahnschranken ein aufmunternder Kurzfilmbericht aus dem Jahre 1965, bei dem auch ein Liechtensteiner vom Filmteam eingefangen wurde, sehenswert (siehe www.srf.ch unter Antenne, Bahnübergang Buchs TV, 1965).
Nach den Mobilitätsumfragen ist die Umsteigebereitschaft von den über 20 000 Pendlern und Landesbewohnern vom eigenen Fahrzeug gross. Warum entschliessen wir uns nicht zu einem Zwischenschritt und nutzen positiv, was schon vorhanden ist und fördern attraktiv private Fahrgemeinschaften zu den Arbeitsstätten? Die Idee eines Mobilitätsbonus aus dem Projekt „Mein Liechtenstein 2039“ liesse sich schon heute umsetzen. Beispiel: mit einem abgestuften Mobilitätsbonus für Fahrzeugbesitzer und den Mitfahrenden ab zwei Personen und mehr in einem emissionsarmen Fahrzeug zu den Hauptverkehrszeiten über die monatliche Lohnabrechnung zu belohnen. Mit Förderbeiträgen könnte der Staat die Firmen dabei unterstützen. Dadurch liesse sich Verkehrsdichte in den Hauptverkehrszeiten bedeutend senken und die Parkplatzbewirtschaftung würde optimiert. Mit solchen Massnahmen wird ein wirkliches Miteinander gestärkt, und die Mitarbeiter leisten einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Umweltbelastung und deren Ressourcenverbrauch. Auch die Pendler und übrigen Autofahrer könnten an den Grenzübertritten wieder nicht im Stau stehend durchatmen.
Ich finde es bedauerlich, dass so kurz vor einem Etappenziel die Lösungsvorschläge zur Verkehrsmisere Bahn/Strasse in Schaan nicht abgewartet werden. In der Privatwirtschaft hätte der vorgelegte Bahnausbau Mühe, auf diesem Konzeptstand einen Ausführungskredit zu erhalten. Zuerst müsste ein umsetzbares, vollständiges Konzept mit einer Grobkostenschätzung vom Rhein bis Schaanwald für die Weiterplanungen, wie Vorprojekt, Projekt, Ausführungs- und Detailplanung vorliegen. Für mich als Balzner stellt sich zur Zeit nicht die Frage, für oder gegen die Bahn, sondern ja oder nein zu diesem Teil-Mobilitätskonzept S-Bahn, Planungsstand Mai 2020.

Elmar Bürzle, Heraweg 29, Balzers

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