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Leserbrief

Das elfte Gebot

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 2. Juli 2020

Es ist schon erstaunlich, mit welch pipifaxigen Argumenten von der Politik für die S-Bahn herumvagabundiert wird. Die Krönung des ganzen Palavers ist, dass ab dem jetzigen Datum unser Verkehrsproblem nur noch als Gesamtpaket gelöst werden könne. Zwar ist unter diesem hinterhältigen Gesülze schleierhaft, warum man dann trotzdem die S-Bahn als den Heilsbringer schlechthin propagiert und über dieses, schon über ein Jahrzehnt altes Projekt alleine eine Abstimmung macht. Die dafür angestifteten, oft in Staates Sold stehenden Befürworter schiessen plötzlich wie Pilze aus dem Morast. Denn längst hat man bemerkt, dass die Politik zu einer zukunftstauglichen Lösung niemals fähig sein wird. Die dann wäre: Die Strasse durch Schaanwald und Nendeln gehört neben das Bahntrasse gelegt, von Nendeln braucht es eine neue Strasse unter dem Flux hindurch bis zu Rheinbrücke, der Industriezubringer Schaan ist bis an die Zollstrasse zu verlängern, Schaan und Vaduz sind mit einem Tunnel zu verbinden und fertig ist die Geschichte. Das Ganze ist zwar teuer, aber wenn wir unser Geld fortlaufend für «dummen Seich vertöttelen», können wir uns eine solche gescheite Lösung niemals leisten. Ein anderer Furz ist jene Propaganda, dass sich an der Bahnstrecken neue Industrien ansiedeln würden, was Glück und Reichtum verspräche. Gut, zwar haben wir schon mehr Arbeitsplätze wie Einwohner und ob die neuen Zupendler alles willige, in Bahnnähe wohnende Voradler Fachkräfte sind, ist im Moment vielleicht noch nicht der Fall, aber diese Burschen umsiedeln wird für uns wohl kein Problem sein. Man kann ja auch ewig und drei Tage die Augen davor verschliessen, dass personalintensive Industrien, deren Mitarbeiter so zahlreich sind, dass man sie in Eisenbahnwaggons heranschaffen muss, alle abgewandert sind, noch abwandern werden und kaum mehr anzulocken sind. Liechtensteins Förderbänder laufen längst in Rumänien, der Slowakei, Deutschland, Serbien usw. Beten wir zu Gott, dass die, die noch hier sind, auch hier bleiben. Und werfe man so dann und wann einen Blick auf die klumpenreiche Beschäftigungs­statistik im Land. So bleibt die ­Erkenntnis dass; wenn Moses ein Liechtensteiner gewesen wäre, dann hätte er auf seine Tafel aus Balzner Marmor noch das elfte ­Gebot: «Du sollst nicht lügen» ­eingehämmert. Oder um sich mit Fernsicht Emmas Worten zu trösten, die zum damaligen Regierungschef Brunhart schon vor 40 Jahren sagte. «Ihr regiert so lange, bis der Schellenberg auch noch einen Bahnhof bekommt.»

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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