Leserbrief

Veraltete Stereotypen

Laura Arroyave, Lena Klein, Lisa Jenny, Severin Hasler, Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz | 10. Juni 2020

Offensichtlich handelt es sich um ein Missverständnis des Begriffs, wenn wir immer noch die Beweggründe und Aktionen einer definitiv marginalisierten, institutionell und systemisch unterdrückten Menschengruppe infrage stellen, anstatt zuzuhören, zu verstehen und unseren Beitrag zu leisten. Auch wenn wir als privilegierte Menschen Rassismus nicht in diesen Formen erleben, können wir trotzdem mitfühlen und die systematischen Ungleichheiten klar erkennen. Sie zeigen sich auch bei uns in der Bildung, im Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Wohlstand, Gesundheitswesen, in Bezug auf die politische Macht und, wie an dem Extrembeispiel USA klar zu se-hen ist, in der Strafjustiz. Am Beispiel Polizeigewalt erkennt man, dass es sich um hoch komplexe Abläufe handelt, durch die gewisse Menschengruppen benachteiligt werden. Obwohl schwarze Menschen nur 13 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, werden sie fast doppelt so oft kontrolliert wie weisse Menschen und drei mal eher von der Polizei ermordet. Überkontrolle und die allgegenwärtige Chancenungleichheit führen dementsprechend zu einer höheren Kriminalitätsrate. Diese Statistiken zeigen, dass bei dieser Problematik veraltete Stereotypen im System verinnerlicht sind. Auch darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass diese Systeme uns stark beeinflussen. Wenn ein System also unfair agiert, kann man die auf Unterdrückung reagierenden Menschen nicht alleine verantwortlich machen. Umgekehrt, sind die Oppressoren innerhalb des Systemes nicht alleine verantwortlich. Systemischer Rassismus bedeutet nicht, dass alle Akteure innerhalb des Systems aktiv rassistische Absichten haben, sondern eher umgekehrt, dass das System von Natur aus rassistisch ist, da es auf veralteten Rassen-Ideologien basiert und die Akteure werden infolgedessen rassistisch sozialisiert. Unseres Erachtens nach handelt es sich hier nicht um ein politisches Problem, bei dem Einzelpersonen verantwortlich sind, sondern um ein tief in unsere Systeme/Institutionen verankertes Menschenrechtsproblem, weil gewisse Menschengruppen vom System minderwertig behandelt werden. Das ist nicht nur in den USA der Fall, sondern auch bei uns in Europa, Liechtenstein. Wir möchten auf die Thematik aufmerksam machen und dazu aufrufen, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt. Wir alle tragen durch unser Schweigen und unsere Ignoranz zum Problem bei und es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen und aktiv anti-rassistische Aktionen zu ergreifen und das Problem im Kern zu lösen.

Laura Arroyave, Lena Klein, Lisa Jenny, Severin Hasler, Noah Büchel, Floraweg 11, Vaduz

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