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Leserbrief

Kinderkram

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 10. Juni 2020

Am vergangenen Montag war es wieder einmal so weit. Ich habe gestaunt. Obwohl es mir sonst in den vergangenen Jahren doch eher etwas abhandengekommen ist, das Staunen. Aber bei der Lektüre des Leserbriefs von Herrn Robin Schädler, mit dem Titel «institutioneller Rassismus», war es dann wieder einmal so weit. Geäussert hat er seine Meinung zu den tragischen Ereignissen dieser Tage in den USA. Das heisst, eine Meinung geäussert hat Herr Schädler eigentlich nicht. Nein, Herr Schädler hat seine Urteile gefällt! Wie mit Axthieben! Mit einer Radikalität, die schlicht atemberaubend ist. Gleich in den ersten zwei Sätzen klärt er verbindlich, worum sich die Geschichte dreht und worum sie sich nicht dreht. Geplünderte Geschäfte, brennende Gebäude unschuldiger und unbeteiligter Dritter? Einspruch abgelehnt! Das ist nicht das Thema! «Vielmehr ist dies eine Geschichte über die kaltherzige Tötung eines Afroamerikaners (…).» So sieht’s aus! Die Geschichte der USA reduziert er auf «Unterdrückung und Gewalt»; auf die «Erosion von demokratischen Normen». Der Präsident? Ist jemand, «der tödliche Gewalt gegen Protestanten befürwortete». Wann und wo er das getan haben soll? Wen haben solche lästigen Details schon zu interessieren? Wenn Robin Schädler sagt, dass es so ist, ist es so! Genauso wenn er festhält, dass das System «kaputt ist und nicht mit kleinen Reformen geflickt werden kann». Da kommt nun endlich der Visionär in ihm zu tragen. Einer, der sieht: Jetzt sind die grossen Würfe gefragt. Die Gleichheit! Um es auf den Punkt zu bringen. (Wobei er die vor dem Gesetz wohl eher nicht meint. Bedauerlicherweise!). Was den Schädlerschen Kahlschlag umso er- und bestaunenswerter macht, ist die Tatsache, dass es sich bei ihm um einen promovierten Juristen handelt?! Ein Rechtswissenschaftler erklärt die Beraubung und den Ruin von hunderten und tausenden von Menschen als irrelevant. Ein Rechtswissenschaftler weiss schon jetzt exakt, was sich beim Tod von George Floyd konkret abgespielt hat und ihm ist klar, dass das alles, der ganze Staat, die ganze Gesellschaft, nur institutioneller Rassismus sein kann! Audiatur et altera pars; man höre auch die andere Seite? Kinderkram! Nicht bei Herrn Dr. Schädler! In solchen Händen liegt die Zukunft unseres Rechtsstaats. Wohlan, das kann ja heiter werden!

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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