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Leserbrief

Mich trat das Pferd

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 29. Mai 2020

Unter dem Leserbrieftitel 27. Mai von Manuela Haldner-Schierscher im «Volksblatt» («DU Harry, fahr schon mal den Wagen vor!» öffnete sich eine mir etwas doch suspekte und unbekannte, ja gar gruselig fremde Welt. Da spricht die seltsame Sprache etwas von DUrrick, von einem investigativen Ermittlerteam, das da einen ominösen Wagen vorfahren liesse, von «Änschios», was immer das sein soll, von Handschellen und übers Maul fahren. Ich kam gar nicht mehr draus und musste mich am Stammtisch aufklären lassen. Da erfuhr ich Dümpel dann, dass die Sache auf eine Krimiserie im deutschen Fernsehen abspiele und darauf ihren Sinn und ihre Aussage aufbaue. Aha gad ase! Da ich sehr selten Fernsehen schaue und Serien, allen voran deutsche, mir niemals in die Stube strahlen dürfen, kann ich also an dem vielleicht lustig gemeinten Haldnerschen Sarkasmusgemüse nicht mitreden, geschweige denn mitdenken. Aber natürlich auch nicht mitschweigen. Denn hier offenbart sich das demokratische Grunddilemma in seiner reinsten Form. So schreibt die Verfasserin Haldner-Schierscher: «Ein Protagonistenteam, das sich seiner Haltung treu bleibt und das Publikum nicht durch allfällige Weiterentwicklung, oder gar durch Hinterfragen eigener Standpunkte irritiert.» Seiner eigenen Haltung treu bleiben in einen Krimi setzen? In der Literatur war zu finden: «Der Protagonist muss nicht zwangsläufig die Titelfigur eines Werkes sein, auch wenn dies meist der Fall ist. Die Titelfigur ist die Figur, die im Titel eines Werkes genannt wird. Wir erkennen den Protagonisten daran, dass er die Figur eines Werkes ist, die eine Entwicklung durchlebt und die Handlung in einem Stück bestimmt. Diese Entwicklung ist meist zum Positiven (Guten). Diese Entwicklung macht der Protagonist aufgrund der Erlebnisse und Erfahrungen, die er in einem Werk erfährt.» Wo also hat Frau Manuela Probleme? Mit Haltung, mit Treue? Da so viele der Fernsehmasse das auch haben, sei ihr verziehen und pachte sie doch das demokratische Grundverständnis für sich ganz alleine. Lasse man sie letztendlich die Absetzung jener, welche sich erlauben, anders zu denken und ein unerschütterliches Bewusstsein zu haben, einfach verlangen. Aber auch ich hatte einst den Fernseher, diesen Geistvernichter angestellt. Da spielte ein rothaariges Mädchen aus Schweden mit zwei seltsamen Zöpfen und dem Namen Pippi Lang-strumpf. Hätte Pippi dauernd hinterfragt, ob sie das weiss-schwarz gepunktete Pferd stemmen kann, wäre es nie in die Höhe gekommen.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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