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Leserbrief

S–Gehirnbahnen?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 29. April 2020

Zum leserbrieflichen Missbrauch eines Zitates von Karl Kraus durch Stefan Becker: «Schmale Gehirnbahnen» im «Volksblatt» (27. April), Zuerst sei erwähnt, dass Leserbriefe nach genauer Prüfung strengster Zensur unterliegen. So würden beleidigende Leserbriefe nicht veröffentlicht, wie die Zeitungen immer wieder betonen. Natürlich gilt auch hier: «Die Ausnahmen bestätigen die Regel.» Auf jeden Fall ist es schon eine hanebüchene Sauerei, ja eine absolute Frechheit, all jenen das Fehlen des Gehirns zu unterstellen, die es wagen, am Nutzen der geplanten S-Bahn Zweifel zu hegen. Wahrscheinlich dachte sich der Herr Becker von Vaduz oben, mit seiner Buchstabenkonstruktion das Gehirn der Liechtensteiner dort treffen zu können, wo es am dümmsten ist. Das hat der gute Karl Kraus dann doch nicht verdient. Der Zug Feldkirch – Buchs – Feldkirch fährt am Morgen am Mittag und am Abend. In den Hauptzeiten sogar im Halbstundentakt. Und wer sitzt dort drinnen? Um es höflich und gelinde auszudrücken: «Nicht gerade der Haufen.» Ob sich das ändern wird, wenn man ein paar hundert Meter weit einen zweiten Schienenstrang verlegt und die Haltestellen erneuert, darf wohl jedes gesunde, normal arbeitende Gehirn ernsthaft in Zweifel ziehen. Dieses S-Bahn-Projekt wird noch sehr viel lärmendes Geplärr und unsinniges Gelaber verursachen. Jedoch von vornherein allen, welche den Nutzen infrage stellen, prophylaktisch das Fehlen von Gehirnbahnen zu unterstellen, zeigt nicht gerade von grossem Demokratieverständnis.
Mit zur Demokratie wird auch gehören und zwar zuallererst, dass der Herr Verkehrsminister darüber aufklärt, ob wir mit den 62 Millionen nur den Zupendlerverkehr sichern, oder ob wir den ÖBB helfen, ihr Schienennetz zu unterhalten, damit sie noch mehr Güterzüge dort rollen lassen können und jetzt schon über uns lachen, weil sie uns elegant über den Tisch gezogen haben? Es ist zu hoffen, dass die Debatten über diese 62 Millionen für ein paar Zupendler ablaufen, ohne beleidigen zu müssen. Nicht dass sich dereinst die Lokomotiven noch schämen müssen. Weiter wäre es ja noch demokratisch schön, wenn der Liechtensteiner, der dieses Projekt ja bezahlen müsste, erfahren könnte, wie es denn mit diesem ominösen Vertrag mit der Bundesrepublik Österreich, betreffend diesem Schienentrasse aussieht? Wird er von uns aus einfach verlängert, ist er überhaupt auflösbar usw.? Und um auch hier Karl Kraus zu Wort kommen zu lassen: «In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.»

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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