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Leserbrief

Was nun, Regierung?

Maturantinnen und Maturanten des Liechtensteinischen Gymnasiums | 27. April 2020

Wir möchten uns im Namen der meisten Maturantinnen und Maturanten zu Beginn herzlich bei der Regierung für die geleistete Arbeit bedanken, denn wir sind der Meinung, dass in den meisten Bereichen zügig und effizient gehandelt wurde, wodurch Liechtenstein es geschafft hat, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, diese Krise gut zu meistern. Dennoch gilt dies nicht für alle Bereiche: Wir fühlen uns als diesjährige Maturantinnen und Maturanten vernachlässigt, da die Umgangsweise mit uns in keiner Relation zur momentanen Krise steht. Dies folgt aus folgenden Punkten:
Als am 13. März dieses Jahres, an einem ganz normalen Freitagmorgen, die Durchsage kam, dass wir unsere Sachen packen und uns für ungewisse Zeit nach Hause begeben sollen, wurden wir aus unserer gewohnten Umgebung herausgerissen. Dadurch, dass immer mehr klar wurde, dass der Online-Unterricht bis zum Schluss unserer Schulkarriere anhalten wird, wurde uns ein angemessener Abschied von den Lehrern und Mitschülern, sowie aber auch vom bisher grössten Teil unseres Lebens, unserer Schulkarriere, genommen. Trotz dieser Frustration und der dadurch entstehenden psychischen Belastung sollen wir noch mehr Arbeit leisten, als in «normalen» Maturajahren: Parallel zum Online-Unterricht, der sich für viele Klassen als intensiver als der Präsenzunterricht herausstellte, müssen wir nun durch einen späten Beschluss der Regierung Prüfungen – einige Klassen mehr, andere weniger – nachholen. Dazu kommt, dass diese Zeit normalerweise für die Vorbereitung der Matura genutzt werden sollte. Das Datum und die Durchführung der Matura ist jedoch immer noch – im Gegensatz zu den LAP – völlig ungewiss, und dies immerhin weniger als einen Monat vor dem geplanten Termin. Ausserdem fehlen uns mehr als zwei Monate an Präsenzunterricht – Zeit, die ausschlaggeben für die Matura ist. Viele Klassen mussten sich zum Teil ganze Themen zu Hause selber beibringen. Dies führt dazu, dass es eine Wettbewerbsverfälschung, nicht nur für die ganze Stufe, sondern sogar unter den Klassen gibt. Diese Umstände, die andauernde Ungewissheit und der allgemeine psychische Druck, der so eine Pandemie mit sich bringt, führen dazu, dass für die diesjährigen Maturantinnen und Maturanten unfaire Verhältnisse vorliegen. Es kann nicht sein, dass wir die Matura ganz normal, wie in jedem Jahr zuvor, trotz der ganzen Nachteile für uns, durchführen müssen.
Darüber hinaus ist die Matura nur dazu gedacht, die bisherigen Noten nochmals zu untermauern, d. h. nochmals aufzuzeigen, dass man wirklich mehr oder weniger solche Noten schreibt. Die Matura macht nur wenige Prozent der Gesamtnote und somit des Abschlusszeugnisses aus. Es ist also nicht gedacht, dass sie die bisherige Durchschnittsnote noch gross verändert. Deshalb wäre es unvernünftig, die Matura strikt durchzuführen und somit grosse gesundheitliche Risiken – Risiken, die wir in monatelanger Arbeit zu umgehen geschafft haben – einzugehen.
Wir fordern, dass uns in irgendeiner Art und Weise entgegengekommen wird. Dies könnte zum Beispiel so aussehen, dass nur mündliche oder nur schriftlich Prüfungen stattfinden, dass einfach eine Projektarbeit verlangt, oder dass ganz auf die Matura verzichtet, und die Abschlussnote aus den bisherigen Noten berechnet wird, die, wie bereits erwähnt, sowieso schon den grössten Teil des Abschlusszeugnisses ausmachen. Es ist Kreativität gefordert und wir sind uns bewusst, dass diese Entscheidungen nicht leicht sind. Dennoch: Es wäre nichts unfairer, als die Matura dieses Jahres, trotz der ganzen Nachteile und Gefahren, eins zu eins durchzuführen.

Maturantinnen und Maturanten des Liechtensteinischen Gymnasiums

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