Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Willkommen in der Realität

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 25. April 2020

Dem «Liechtensteiner Vaterland» verdanken wir eine umfangreiche Serie von Artikeln, in denen uns liechtensteinische Kulturschaffende schildern, wie es ihnen in dieser Krisenzeit geht und was die derzeitige Lage für sie konkret bedeutet. In der aktuellsten Folge war die Reihe nun an Herrn Jürgen Schremser, seines Zeichens Autor, Illustrator, Karikaturist und Geschichtsforscher (vgl. S.9, «Liechtensteiner Vaterland», 24. 4. 2020). Er schwankt «derzeit zwischen gespannter Aufmerksamkeit … und Besorgtheit», teilt er uns mit. Kritisch erkennt er weiter: «Ich denke und sehe, wie die Missstände eines Kulturbetriebs offenkundig werden …». Dazu erklärt das «Vaterland»: «Damit spricht er tiefe Honoraransätze und steigende Fixkosten an, ebenso wie fehlende Vermögensrücklagen, die Abhängigkeit von Fördermitteln und keine einflussreiche gesellschaftliche oder politische Lobby.» Scharfsinnig erkennt Herr Schremser den zwangsläufigen Zielkonflikt: «Zugleich möchte das Publikum gut und mit Niveau unterhalten und angeregt werden, aber kosten soll es nichts», und bemerkt mit leicht resignierend-ironischem Fatalismus «so wie ja auch die professionellen Künstler nichts essen müssen und von einer poetischen Photosynthese leben». Nun, geht es Ihnen wie mir, wenn Sie das lesen? Von tiefen Honorarsätzen, steigenden Fixkosten, fehlenden Vermögensrücklagen, keine Lobby und trotzdem Tag für Tag qualitativ hochwertige Leistung abliefern müssen, die dazu auch noch nichts kosten soll? Ich für meinen Teil jedenfalls würde Herrn Schremser herzlich willkommen heissen im realen Leben. Im Alltag von geschätzten 90 Prozent der Menschheit. Und zwar in ihrem normalen Alltag. 100 Jahre bevor irgendjemand erstmals den Corona-virus auch nur erwähnt hat. «Was muss der Mann vorher für ein Schwein gehabt haben, dass ihm die mehr oder weniger normalen existentiellen Rahmenbedingungen des Durchschnittsbürgers erst jetzt in diesen Tagen wieder richtig bewusst werden?», fragt man sich. Entsprechend hat Herr Schremser dann auch – Angesichts des ganzen künstlerischen Elends – Verständnis dafür, «dass von vielen künstlerisch Tätigen zurecht die Forderung nach einem sozialen Grundeinkommen erhoben wird». Warum bloss überrascht mich das jetzt nicht?

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung