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Leserbrief

Journalismus mit Coronabilanz

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 25. April 2020

Kurt W. Zimmermann zieht in der «Weltwoche» journalistische Bilanz. Die «NZZ», als weltweit renommierte Zeitung, scheint derzeit klar im Aufwind zu sein. Mehr als 3 Millionen Leser hat die «NZZ» im Monat März dazugewonnen. Überholt wurden Marktleader «20 Minuten» sowie «Blick online». Weit abgeschlagen liegt der «Tagesanzeiger». Die Vermutung liegt nahe, dass das Ganze mit der Berichterstattung über die Corona-Krisensituation und deren Stellungsbezug zu tun hat. Ausser der «NZZ» bewies sich die ganze Medienlandschaft der Schweiz als Hofberichterstatter des Bundesrates. Individuelle Freiheitsrechte und deren Verteidiger wurden vehement kritisiert. Die Entscheide der Schweizer Landesregierung wurden durchwegs befeuert und für alternativlos befunden. Für Gegenwind im Schweizer Blätterwald sorgte «NZZ»-Chefredaktor Eric Gujer. Die Wirtschafts- und Inlandredaktionen hielten sich ebenfalls an den regierungskritischen Kurs mit der Warnung vor Eliminierung von Freiheit und Selbstverantwortung. Die Meinung des Blattes hielt bis heute an und Eric Gujer brachte es in seinem Leitartikel treffend auf den Punkt: «Bitte keinen Seuchensozialismus.» Diese liberale Haltung scheint beim Publikum Gehör zu finden, was die klar steigenden Leserzahlen beweisen. Im Unterschied zur «NZZ» zeigte sich der «Tagesanzeiger» besorgt, als der Bundesrat neue Lockerungsmassnahmen verkündete: «Die guten Nachrichten sind trügerisch.» Reporter ohne Grenzen kritisieren derzeit den Umstand, dass die Covid-19- Pandemie weltweit einen gravierenden Einfluss auf die Pressefreiheit habe, dabei sei gerade in einer Krise die Pressefreiheit unverzichtbar. Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, wies darauf hin, dass viele Regierungen auf die Corona-Pandemie mit Zensur, Überwachung und Repression reagierten. Eine Beschneidung von Grund- und Freiheitsrechten soll in Krisenzeiten möglich sein. Die Gefahren, dass diese Beschneidungen zu einem Normalmodus werden können, sind berechtigt. Bereits mehrere Staaten arbeiten mit Ortungsdaten und erstellen Bewegungsprofile von an Covid-19 erkrankten Personen. China, ein Land, dass seine Kritiker einsperrt oder «entsorgt», soll eine Vorbildfunktion übernehmen? Dabei reagierte die Regierung in Peking von Anfang an mit Vertuschung und Zensur auf den Covid-19-Ausbruch und verlor dadurch wertvolle Zeit zur frühzeitigen Eindämmung einer Ausbreitung. Die Gefahr ist gross, dass, um die Illusion des allwissenden Staates aufrechterhalten, noch viel mehr Menschen an den Folgen einer weltweiten wirtschaftlichen Katastrophe sterben werden.


Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

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