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Leserbrief

Dann, wenn der «fumus albus» smaragdfarben zum Himmel funkelt

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 25. April 2020

Liechtenstein ist in Sachen Umweltschutz unbestritten das Musterland erster Güte, sprich: ein besonderes Kaliber schlechthin. Peinlich wird entsorgt, noch peinlicher die Luft gemessen, noch akribischer am Littering geschraubt, noch pedantischer an jedem Auspuff geschnüffelt. Umweltkönige allemal. Rheinaufweitung nebst Waldverjüngung im Plan, das sauberste Trinkwasser der Welt schon im Kasten und grüner Strom aus jeder Steckdose lassen die Nachbarn vor Neid erblassen. Und damit alles schön sauber bleibt, entledigt uns die Kehrichtverbrennung Buchs Tag und Nacht von unserem Dreck und aus ihrem Schlot kommt nur noch rein gewaschenes Räuchlein. Sauberer wie der weisse «habemus papam»-Rauchfetzen der sixtinischen Kapelle. Dem war nicht immer so. Im Jahre 1970 wurde die Anlage erneuert, weil sie davor pestilenzisch stank und das ganz Tal verpestete. Liechtenstein erklärte sich bereit, den Müll aufzunehmen und so wurde im Ruggeller und Schellenberger Riet an der Grenze zu Nofels auf landeseigenen Grundstücken die Erde metertief ausgehoben und mit dem Dreck aus Buchs aufgefüllt, mit Raupenbaggern eingewalzt und wieder übererdet. Tausende Tonnen stinkenden Verbrennungs- und Sondermülls wurden dort hinuntergekarrt. Mehrere Lehrer, die damals eine Führung durch das Ruggeller Riet unternahmen, machten in der Zeitung einen Aufschrei und schrieben, dass im Fünfminutentakt rauchende Lastwagen mit halbverbranntem Müll durch Ruggell rasten. Danach war dann das ganze Gebiet eine übel riechende Kloake, die schlimmer stank als der Schweinemaststall beim Grenzübergang. Die Wassergräben mit schwarzer stinkender Brühe überfüllt. Im Sommer verbrannte das Gras an den Gräbenrändern bei der Hitze und unter der Erde wälzte sich die giftige Gülle mit dem Bergdruck von Schellenberg durch das Ruggeller Riet zum Kanal, zum Rhein und in die Streuewiesen von Nofels. Jetzt hat sich Liechtenstein als Vertragsstaat der Berner Konvention verpflichtet, wertvolle Lebensräume im europäischen Schutzgebietsnetzwerk mit dem wohlklingen Namen «Smaragd» auszuscheiden. Auch die Müllkippe von Ruggell wird darin aufgenommen. Da fragt man sich, was ist das für ein Staat, der seinen stinkenden giftigen Dreck dem Nachbarn einfach vor die Haustüre kippt? Der Altlasten einfach verschweigt und die Dreistigkeit hat, das Ganze auch noch als europäisch erhaltenswerten Lebensraum darzustellen, dafür jedem privaten Umweltsünder das Leben zur Hölle macht?

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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