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Leserbrief

Habt Sorge zu den Alten

Felix Näscher, Aspergut 2, Eschen | 22. April 2020

Die Annahme, dass jeder Wald, dessen Holznutzung und der Holzverbrauch Wesentliches zum Klimaschutz leisten, ist weit verbreitet. Deshalb wird in aktuellen Diskussionen zum Zustand des Waldes und der Waldverjüngung – gerade auch im Namen des Klimaschutzes – gegen Gams, Hirsch und Reh ebenso offensiv und übereifrig argumentiert wie gegen Waldreservate. Tatsächlich – die Wälder könnten zum wichtigsten Kohlenstoffspeicher unseres Planeten gehören; doch deren Klimaschutzwirkung ist abhängig einerseits von der Waldfläche und andererseits von der Biomasse.
Weltweit werden die Wälder immer noch weiter abgeholzt; gut zu wissen – in Liechtenstein dagegen hat sich die Waldfläche in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich erhöht; umso ernüchternder ist es dabei feststellen zu müssen, dass sich die Biomasse der liechtensteinischen Wälder infolge intensivierter (Energie-)Holznutzung zunehmend und deutlich verringert. Dabei liegt die einfachste Option, nämlich einen langfristigen Kohlenstoffspeicher aufzubauen, doch darin, eben diese Biomasse in den Wäldern anzureichern. Die Höhe der Holznutzung ist entscheidend: Weniger Holzeinschlag bewirkt mehr Biomasse-Akkumulation im Wald und eine höhere Klimaschutzwirkung. Eine geringere Holzernte würde es auch erlauben, Bäume wesentlich älter werden zu lassen und deren Potenzial zur Biomasseanreicherung auszunutzen. Man weiss heute, dass auch alte Waldökosysteme langfristige Kohlenstoffspeicher darstellen und mit noch deutlich über 200 Jahren kontinuierlich Kohlendioxid speichern; selbst wenn sich dieses Kohlenstoff-Speichervermögen im noch höheren Alter abschwächen sollte, bleibt trotzdem noch lange Zeit, deren Kohlenstoffbindungspotenzial zu nutzen.
Gerade in unserer gemässigten Klimazone ermöglichen alte Wälder den Aufbau von erheblichen Kohlenstoff- sowie auch von Nährstoff- und Wasserspeichern. Kohlenstoff im Waldökosystem zu belassen, nämlich durch Förderung biomassereicher Waldbestände mit hohen Humus- und Totholzvorräten, wirkt sich günstig auf die Bodenqualität, das Baumwachstum und die Sensitivität der Wälder gegenüber Schadeinwirkungen oder gegenüber dem Klimawandel aus; dazu werden Mikroorganismen und die Biodiversität allgemein begünstigt.
Alte, funktionstüchtige Wälder sind mit ihren lebenden Bäumen, ihrem Totholz und ihrem Bodenhumus effektive Kohlenstoffspeicher; die heutige Holznutzung – nicht selten von der Wurzel bis zum letzten Zweig – und das Hinterherrennen hinter vermeintlichem Schadholz – ungeachtet der hohen Gewinnungskosten – bis in die hintersten Krachen, verringert nicht nur die Kohlenstoffspeicherwirkung des Waldes, sie ist auch dem Waldökosystem an sich abträglich. Viel Aufwand und Geld liesse sich im Wald einsparen – beispielsweise zugunsten nachhaltig gesicherter Beiträge an die Alterspflege sozial Benachteiligter. Habt Sorge zu den Alten!

Felix Näscher, Aspergut 2, Eschen

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