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Leserbrief

Lockerungs- massnahmen – Viele Fragen, Unverständnis und Ungewissheit

Rainer Wolfinger, Im Fetzer 39, Schaan | 18. April 2020

Der Bundesrat hat entschieden, in einigen Bereichen auch nicht. Aus meiner Sicht leider inkonsequent, willkürlich, nicht nachvollziehbar – und unserer Regierung bleibt nichts anderes übrig, als nachzuziehen.
Weshalb eine zweite Etappe bereits zwei Wochen nach der ersten erfolgt, bleibt schleierhaft. Zuverlässige Aussagen über allfällige negative Folgen (Neuinfektionen) sind frühestens nach vier Wochen möglich, sogar Bundesrat Berset gibt das zu. Weshalb Detailhändler noch nicht öffnen dürfen, bleibt unbeantwortet. Zahnärzte und Kosmetikerinnen hingegen dürfen ab dem 27. April wieder arbeiten, obwohl intensive körperliche Nähe unvermeidbar ist und ihre Klienten sicherlich keine Maske tragen können, Zahn- und Gesichtsbehandlungen wären ja damit wohl kaum möglich. Damit sei aber nichts gesagt gegen deren Öffnung, auch nicht von Coiffeur- und Massagestudios, aber die Frage muss erlaubt sein, weshalb andere Bereiche mit deutlich geringerem Ansteckungsrisiko hinten anstehen müssen (eine kosmetische Behandlung oder auch ein Coiffeurbesuch ist ja nicht unbedingt lebensnotwendig). Zudem fehlen konkrete Konzepte für die Umsetzung der Lockerungen, ebenso natürlich weiterhin eine Maskenpflicht, womit auch problemlos kurze Besuche in Alters- und Pflegeheimen unter Einhaltung strikter Massnahmen möglich wären.
Kein Thema der Sport – Funkstille. Einzelsportarten, Tennis, Golf oder Leichtathletik, könnten bereits jetzt unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln problemlos betrieben werden. Sollte es zutreffen, dass das Bundesamt für Sport erst bis am 13. Mai dem Bundesrat ein «Konzept» vorlegen möchte unter anderem auch für den Freizeitsport, fehlen mir schlichtweg die Worte respektive kommen mir nur nicht druckreife in den Sinn.
Restaurants, Bars und Hotels haben erwartet, dass sie nicht als erste im Rahmen der Lockerungen berücksichtigt werden. Aber aktuell bleiben sie völlig im Ungewissen, eine Planungssicherheit (Buchungen) existiert nicht – eine unmögliche Situation verbunden mit dramatischen wirtschaftlichen Folgen, auch für die Zulieferer und den gesamten Tourismus. Dass keine Grossveranstaltungen in absehbarer Zeit erlaubt sind, ist unbestritten, einen Zeitrahmen vorzugeben schwierig. Dennoch könnte man zumindest den aus aktueller Sicht frühest möglichen Zeitpunkt festlegen und laufend aktualisieren (zum Beispiel sicher nicht vor August ...).
Eine eigentliche Strategie und nachvollziehbare Entscheidungskriterien hinter dem beschlossenen Fahrplan der Lockerungen sind für mich nicht zu erkennen. Vieles wirkt zufällig, willkürlich, inkonsequent und auch unverhältnismässig. Dass es auch anders geht, zeigt Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der Bundesrat und damit auch unsere Regierung könnte sich an Österreich ein Beispiel nehmen.

Rainer Wolfinger, Im Fetzer 39, Schaan

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