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Leserbrief

Miar sin ned aso

Margot Kranz, Baumgasse 17, Eschen | 8. April 2020

Kaum ist die Fasnacht überstanden,
kommt die Erkenntnis: gähnende Leere im Kühlschrank vorhanden.
Mit Vater und Mutter zum Einkaufen soll es gehen,
was da abgeht, habe ich noch nie gesehen.
Der Parkplatz ist so voll wie noch nie,
«Dia kon halt alli gi z’Mittag ässa» – so meine Theorie.
Kaum betrete ich aber den Laden,
geht mein ganzer Optimismus baden.
Menschen, Jung und Alt, so weit das Auge reicht,
wehe dem, der den Einkaufswägile nicht weicht.
Mehl und Zucker – wo seid ihr hin?
In den Regalen ist nichts mehr drin.

Öl und Hefe gibt’s nicht mehr,
das Loch im Rösti-Regal klafft ebenso sehr.
«Nenn mer ned s’ganz Schiissipapiir!»,
ruf plötzlich der Alte neben mir.
«Oh jösses Gott, Papa, nimm di zemma!
I mag mi do ned oh noch schemma!»
Eilig gehe ich ein paar Schritte weiter
und treffe dort auf emsige Mitarbeiter.
Man merkt, hier sind alle top organisiert,
zackig wird aufgefüllt und einsortiert.
Trotzdem sehe ich ein paar Mienen an,
dass nicht jeder diese Hamsterei verstehen kann.
«Miar sin ned aso», denke ich mir noch still,
da höre ich Mutters Stimme schrill:


«Hol Mettel zum d’Hend desinfiziera,
gang schnell, muascht pressiera!
Zwa füar üs und os füar d’Nana,
sie dörf jo sälber numma in Lada.
Dr Schneller ischt dr Gschwinder,
s’wüard numma besser – no noch minder!»
Nach kurzer Diskussion gebe ich dann auf
und kaufe die Dinger zuhauf.
So verlassen wir schlussendlich den Einkaufsladen,
vollbepackt mit Keimtöter, Klopapier und Esswaren.
Da kommt plötzlich die Erkenntnis über mich:
Miar sin oh aso – simmer doch ehrlich!

Margot Kranz, Baumgasse 17, Eschen

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