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Leserbrief

«Mit Plastiksäcken und Skibrillen gegen das Coronavirus»

Rainer Wolfinger, Im Fetzer 39, Schaan | 6. April 2020

… eine Überschrift in der gestrigen Ausgabe der «SonntagsZeitung» zu den teils katastrophalen Verhältnissen in Alters- und Pflegeheimen in der Schweiz. Hier eine Auswahl weiterer Zitate Direktbetroffener:
• «Als es in der Schweiz losging …hatten wir bei uns keine einzige Maske im Lager» (Pflegerin im Kanton Zürich)
• «… bekamen die Pflegenden eine einzige Maske, die sie mit Namen beschriften, am Abend zu Hause waschen und am nächsten Tag wieder tragen sollten» (Pflegerin, Kanton Freiburg)
• «… behilft sich das Personal mit Skibrillen, weil es zu wenig Schutzbrillen gibt, … mit Brillen aus dem Baumarkt.»
• «Dass sich ausgerechnet so viele Heimbewohner infizieren, liegt unter anderem an der schlechten Versorgung mit Schutzmaterial ... Wir verwenden deshalb Abfallsäcke … oder Nachthemden, die eigentlich für die Bewohner gedacht seien» (Pfleger, Kanton Waadt)
• «Selbst Gesundheitsfachpersonen, die ungeschützten Kontakt mit einem bestätigten Coronafall hatten, sollen weiterarbeiten …»
• «Wenn es in einem Heim ... einen positiven Fall gibt und weitere Personen die gleichen Symptome entwickeln, geht man klinisch davon aus, dass sie die gleiche Krankheit haben. Weil es zu wenig Tests gibt, wird das dann nicht überprüft.» (Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärzte)
Wenn man sich jetzt an Aussagen von Politikern und Verantwortlichen erinnert, bleiben Ratlosigkeit, ungläubiges Staunen, Ohnmacht und Wut, weil versäumt wurde, Masken und Schutzkleider in ausreichender Zahl an Lager zu halten. In den Kantonen Wallis und Waadt starben die Hälfte aller Coronaopfer im Heim, in Neuenburg gar über 70 Prozent – dies die traurige Bilanz der Versäumnisse.

Rainer Wolfinger,
Im Fetzer 39, Schaan

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