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Leserbrief

Covid-19-Pandemie und wir Alten, die Risikogruppe

Hermy Geissmann, Matschilsstrasse 20, Triesen | 3. April 2020

Vorerst möchte ich allen, die sich selbstlos zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen, aus tiefem Herzen danken.
Nach all dem Positiven gibt es aber auch Bedenkliches. In Grossbritannien werden alle über 80-Jährigen im Falle einer Corona-Ansteckung nicht mehr mit Beatmungsgeräten versorgt. Das würde wohl bei einer Ansteckung ihrer Queen keine Gültigkeit haben? Das erinnert mich an die Nazizeit, als das sogenannte «unwerte Leben» eliminiert wurde. Aber nicht nur das ist beängstigend. In der letzten Puls-Sendung wird den «Alten» empfohlen, eine erweiterte Patientenverfügung zu erstellen bezieungsweise ihre mit dem Zusatz zu versehen, dass im Krankheitsfall weder Beatmungsgeräte noch Medis eingesetzt werden sollen. Meiner Meinung nach müssten, wenn die Kapazitäten nicht mehr für alle reichen, die Behandlungen nach den Kriterien der Erfolgsaussicht gehandhabt werden.
Andererseits, jede Medaille hat zwei Seiten, auch diese Pandemie. Gut ist, dass diese Krankheit hauptsächlich bei alten Menschen tödlich verläuft, was die AHV und andere Renten entlasten und die mühsamen Diskussionen um deren Sanierung hinfällig werden.
Wenn das Schule macht, wie die Engländer Covid-19 bekämpfen, empfehle ich allen zum 79. Geburtstag nebst einem schmucken Blumenstrauss ein starkes Seil mit Anleitung für fachmännisches Verknoten, mit Zubehör fürs sichere Aufhängen und mit den besten Wünschen zukommen zu lassen.
Da die Ausführung erst am 80. Geburtstag ausgeführt werden muss, haben die Betroffenen genügend Zeit, sich bestens vorzubereiten. Ihre grossen und hässlichen Sünden, was auch immer das heisst, zu bereuen, den Nachlass zu regeln, wenn nicht schon längst erledigt, und sich mit einem rauschenden Fest von ihren Liebsten und Freunden zu verabschieden. Am Vorabend einen Coiffeur aufzusuchen und am «grossen» Tag geduscht, geschminkt und mit der schönsten Kleidung ein lauschiges Plätzchen mit toller Aussicht – zurzeit vielleicht mit Blick auf einen blühenden Kirschbaum, aufsuchen. Dann den letzten Mut zusammen nehmen, an die kränkelnde AHV denken, die zum Leben sowieso nicht gereicht hat und den ergrauten, verrunzelten Kopf in die Schlinge stecken und dem Schemel unter den Füssen einen Schups geben ... Es sei ein sanftes, wie von Musik begleitetes Hinübergleiten, habe ich mal gehört.
Und dann nicht zu unterschätzen die gute, solidarische Tat.
Bleibt gesund.


Hermy Geissmann, Matschilsstrasse 20, Triesen

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