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Leserbrief

Zeit für mehr «grünen Strom»

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 3. April 2020

In unseren Medien («Vaterland» und 1 FL TV) gibt Philipp Elkuch, VR-Präsident der LKW, zu verstehen, dass die LKW auf «grünen Strom» umstellen wollen. Gemeint ist da Strom aus Erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Fotovoltaik, Wind und Biomasse). Eine Forderung der «Grünen» seit über 30 Jahren. Liechtensteins Einwohner zählen europaweit zu den höchsten Atomstromkonsumenten, zwangsweise über die LKW. Gilt wohl auch für Kohlenstrom. Wir importieren rund 75 Prozent Strom aus dem Ausland. In Europa steht genügend Kraftwerksleistung zur Verfügung. Es gibt folglich keine Engpässe bezüglich der Stromliefermöglichkeiten. Die Gefahren eines Stromversorgungsunterbruches, ob kurzzeitig oder mehrere Tage, gar Wochen, lauern im Stromversorgungsnetz.
Die LKW orientieren, dass man kleine Wasserkraftwerke in der Schweiz und Österreich betreibt. Bei den Prättigauer Kraftwerken möchte man die Anteilsscheine erhöhen. In der Steiermark beschäftigt sich die LKW mit zwei weiteren Wasserkraftwerksprojekten. Soweit so gut.
Nur nutzen diese Wasserkraftwerke nichts, wenn die Stromleitungen zu uns nach Liechtenstein unterbrochen sind. Kraftwerksbesitz im Ausland, im Sinne einer Holdingstruktur, sichern eine Stromversorgung in ausserordentlichen Zeiten nicht.
Der einzige Weg um die Stromversorgung für alle Lebenssituationen zu sichern, führt nur über den «grünen Strom» beziehungsweise die Nutzung der inländischen Erneuerbaren Energien zur Strompro- duktion, die dezentral, praktisch direkt bei den Strombezügern produziert wird. Es ist deshalb fraglich, ob Investitionen in ausländische Wasserkraftwerke für unsere Stromversorgung sinnvoll sind. Darüber sollte im Grunde genommen der Landtag eine Grundsatzdiskussionen führen und den LKW Richtlinien vorgeben. Gemäss LKW-Gesetzesblatt hat die Sicherheit der Stromversorgung eine höhere Priorität als der Handel mit Strom, der weit weg im Ausland produziert wird.
Das Lawenawerk und Saminakraftwerk wurden mit Steuergeldern gebaut, um die Eigenstromversorgung zu sichern. Bereits vor rund 15 Jahren läutete die Politik einen Paradigmenwechsel hin zu «grünem Strom» über das damalige Energie-Effizienz-Gesetz ein. Die Fotovoltaik wurde vom Land und verschiedenen Gemeinden grosszügig gefördert. Viele Eigenheimbesitzer und das Kleingewerbe mit ihren Dachflächen haben in die Fotovoltaik investiert. Leider war die grosszügige Förderung der Fotovoltaik, die ja «grünen Strom» produziert, nur von kurzer Dauer. Systematisch wurden die Förderungen zurückgefahren.
Das LKW argumentierte, dass der Atom- und Kohlenstrom angeblich viel billiger sei als selbst erzeugter «grüner Strom» und reduzierten die Stromvergütung für Fotovoltaikstrom massiv. Das Interesse der Strombezüger am Bau von weiteren, zusätzlichen Fotovoltaikanlagen auf Hausdächern erlahmte folglich. Das Zurückkehren auf alte Ziele sollte über die Politik, und dies vor den Landtagswahlen geführt werden. Das Synonym «grüner Strom» anstelle von Strom aus Erneuerbaren Energien wirkt sympathisch.

Hans Frommelt, Gapont, Triesen

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