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Leserbrief

Fragt den Förster, warum …

Felix Näscher, Aspergut 2, Eschen | 2. April 2020

Früher hatte die Waldwirtschaft nach Vorgaben von Wirtschaftsplänen zu erfolgen. Auf Kennziffern einer Vollinventarisierung gestützt, hielten diese für jeden Wald das Waldbauziel und die nötigen Pflegemassnahmen verbindlich fest; sie waren das Planungsinstrument und mussten von der Regierung genehmigt werden. Heute liegen von periodisch analysierten Erhebungsflächen sowie einer Vielzahl anderer Untersuchungen weit mehr und aussagekräftigere Kennziffern vor – Kennziffern, welche für eine rationelle Waldwirtschaft die Grundlage liefern könnten; Kennziffern auch, welche den Weg weisen könnten, wie mit der Waldpflege gezielt diejenigen Waldleistungen gefördert werden können, welche seitens der Bevölkerung von einem Waldbestand tatsächlich nachgefragt werden.
Für die Festlegung zukunftstauglicher, auf die Wald-Vorrangfunktionen fokussierter, spezifischer Waldbauziele lägen also alle Datengrundlagen vor: Die Analyse der Realitäten draussen im Wald ist gemacht und wird periodisch erneuert; die nach allgemeiner Waldbaulehre unerlässliche Analyse der gegenwärtigen und der mutmasslich künftigen Leistungserwartungen an den Wald liegt ebenfalls vor; auch der notwendige sachpolitische Rahmen für eine integrale Waldwirtschaft ist verbindlich abgesteckt. Und trotzdem – Ignoranz feiert ihre Urstände: Weitgehend ungeachtet dieser Grundlagen wird im Liechtensteiner Wald insgesamt ziel- und planlos – vermeintlich getrieben von zufälligen Ereignissen wie Borkenkäfer, Eschensterben – und ohne jede langfristige, integrale Sicht herumgeholzt oder – mit den Worten von Georg Kieber – «baumgeschlachtet»: Denn – für die einzelnen Waldbestände sind kein verbindliches Waldbauziel und deshalb auch keine nachgeordneten Pflegegrundsätze festgelegt.
Die Waldwirtschaft wird wohl als einziger Wirtschaftszweig «geführt», der glaubt, öffentliche Ressourcen beanspruchen und sich dabei davonstehlen zu können, ohne das Tagwerk an einem Produktionsplan mit vereinbarten Leistungszielen messen zu müssen: Höchste Zeit, jedem Axtschlag im Wald ein sachlich fundiertes Ziel als Begründung unterzulegen. Nur auf gut der Hälfte der Waldfläche sind nämlich zur Sicherung der Vorrangfunktionen spezifische (Pflege)-Massnahmen angezeigt; und je weniger wir – ohne Not – auf der anderen Hälfte die natürliche Waldentwicklung in eine einseitige Richtung drängen, umso mehr Chancen lassen wir den nächsten Generationen, bei Bedarf das zu entscheiden und anzugehen, was unter den dann gegebenen Umständen als vordringlich erscheinen mag. Lassen wir dieser Hälfte des Waldes ganz einfach ihren schieren Eigenwert!
Nie wurde die Rolle des Waldes als Erholungs- und Rückzugsraum oder als Klimaverbesserer so sehr ge-schätzt wie jetzt; nutzt den nächsten Waldspaziergang und fragt den Förster, was, warum, warum mit gerade diesen Mitteln und wo er etwas tun wird.

Felix Näscher,
Aspergut 2, Eschen

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