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Leserbrief

Baum- Schlachtungen

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren | 28. März 2020

Gut ist nur, dass unser Forstamt und dessen Mitarbeitende in den Gemeinden nicht im Amazonasgebiet tätig sind. Sie hätten dort längst festgestellt, dass der Regenwald hoffnungslos überaltert ist und dessen Kahlschlag verordnet. Das meine ich ernst. Eigentlich wäre derzeit wegen der besonderen Situation weniger Lärmbelästigung, wenn nicht, wie seit Monaten, das Heulen der Motorsägen wäre. Schon im Zusammenhang mit der Eschenwelke kritisierte Mario Broggi den hysterischen Kampf gegen diesen Baum, erinnerte, dass Bäume Lebewesen sind, kommunizieren und resistente Abwehrkräfte gegen Schädlinge aufbauen. Die Esche wurde erfolgreich ausgerottet. Der Wald sehe aus wie «nach der Mutter aller Schlachten», schrieb er. Das war vor einem Jahr; die Baumschlachtung setzte sich, nun aber rücksichtslos ausgeweitet, unvermindert fort. Mit schwerem Schleppgerät wird die Bodenkrume massiv verletzt oder es werden, wie z. B. in Eschen (Stieg), Zufahrtswege durch offene Wiesen zur Entsorgung der Bäume gebaggert. «Entsorgung» ist so gemeint, denn das Holz wird zu drei Vierteln, so Mario Broggi, als Biomasse verbrannt. Das sei keine nachhaltige Forstwirtschaft. Und das restliche Viertel, möchte ich hinzufügen, ist an Waldrändern als Stämme aufgeschichtet und rottet vor sich hin. Diese Form der Forstwirtschaft ist nicht nur waldschädlich, sondern kostet in Liechtenstein drei Mal so viel wie in benachbarten Gebieten. Die personelle, finanzielle und organisatorische Ausstattung ist bei uns um ein Mehrfaches höher als in der Nachbarschaft (Felix Näscher). Mario Broggi und Felix Näscher haben sich vor Kurzem wieder gemeldet. Ihnen platzte der Kragen. Mario Broggi ist über das grobe Vorgehen in unserem Wald geschockt und ist in Konsequenz der Abkehr vom naturnahen Waldbau aus dem Liechtensteiner Forstverein ausgetreten. Felix Näscher zürnt, wilder Aktionismus, ökologische Unbedarftheit, systematische Diskussionsverweigerung, Intransparenz und obrigkeitliche Selbstherrlichkeit seien nicht zukunftsfähig. PD Dr. Mario Broggi und Dr. Felix Näscher sind keine akademischen Theoretiker, sondern die ausgewiesendsten Forstingenieure unseres Landes. Dass unsere Forstbehörden deren Stimme und Empörung ignorieren, könnte man als Ausdruck behördlicher Unter-Mittelmässigkeit abtun, doch es ist mehr, es ist unanständig und passt ins Bild abgehobener Ignoranz der Verantwortlichen. Die Lösung wäre einfach: Man müsste ihnen Geld und Personal entziehen. Doch das ist unrealistisch. Bescheidenheit ist kein liechtensteinischer Ansatz. Wenn es noch etwas zu retten gibt, müssten die Waldbesitzer (Gemeinden, Bürgergenossenschaften) ihre unterwürfige Folgsamkeit aufgeben, stattdessen selbstständig mitdenken und das Heft selbst in die Hand nehmen.

Georg Kieber, Binzastrasse 6, Mauren

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