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Leserbrief

Das unterschätzte Virus – Ungenügende Massnahmen

Dr.med. Rainer Wolfinger, Im Fetzer 39, Schaan | 23. März 2020

In meinem Leserbrief vom 25. Februar fragte ich: Coronavirus – wird Gefahr unterschätzt? Man kann jetzt einen Monat später klar und unmissverständlich darauf mit einem «Ja» antworten. Unsere Regierung und der Schweizer Bundesrat, wie die meisten anderen Länder auch (Ausnahme Singapur), haben das Virus und seine Folgen unterschätzt. Auf grossflächige Tests, wie von namhaften Virologen und Epidemiologen immer wieder gefordert, und Einschränkung des Grenzverkehrs wurde aus kurzsichtiger, falscher Rücksicht auf die Wirtschaft verzichtet (Schaden jetzt wahrscheinlich grösser und länger anhaltend) – mit bereits fatalen Folgen für die Einwohner des Tessins. Bei rechtzeitiger Ergreifung von zusätzlichen rigorosen Massnahmen, Ausgangsbeschränkungen, das Tragen von Atemschutzmasken – nebst den angeordneten Hygienemassnahmen, Abstandsregeln und Verhalten im öffentlichen Raum – hätten wir die Ausbreitung des Virus und die damit verbundenen massiven Auswirkungen deutlich einschränken können. Auch jetzt könnte oder müsste man mehr tun: Eine praktisch flächendeckende Testung (nur derjenigen mit Symptomen genügt nicht, weil Infizierte oft keine Anzeichen verspüren) wäre möglich und nötig. Dass Massentests helfen, zeigt eindrücklich eine Stadt in der Provinz Padua. Durch Testung aller Einwohner und Quarantäne der Infizierten gab es nach drei Wochen keine Neuansteckungen mehr, die Zahl der Erkrankten sank von 88 auf 7 Personen. Ein vollautomatisches Diagnosegerät wertet innerhalb von 24 Stunden 4000 Tests gleichzeitig aus – mit zwei Geräten könnten alle Liechtensteiner in gut vier Tagen getestet werden. Grenzgänger, generell Einreisende müssten ein negatives Testergebnis vorweisen, die Reisetätigkeit eingeschränkt werden. Die Ansteckungsrate liesse sich so rasch senken, in spätestens 4 Wochen wäre die Lage unter Kontrolle. Nur schon der Mangel an Masken, Schutzkleidern und Desinfektionsmittel («Schnapsidee» von Regierungsrat Mauro Pedrazzini), von Beatmungsgeräten in der Schweiz zeigt, dass man doch nicht so gut auf eine Pandemie (Katastrophe generell) vorbereitet war oder ist. Diesbezügliche Aussagen zu Beginn der sich abzeichnenden Epidemie werden jetzt doch etwas relativiert.

Dr.med. Rainer Wolfinger,
Im Fetzer 39, Schaan

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