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Leserbrief

Hörst du die Motoren?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 21. März 2020

Nach dem Ende der Würmeiszeit vor 16 000 Jahren, als das Rheintal mit 1600 Meter dickem Eis aufgefüllt war, begannen sich die Berghänge von selbst wieder zu bewalden. Meter um Meter, ganz von selbst. Ohne Waldhirt, ohne Jäger, ohne Amt für Wald und Forst. Einfach so. Dass dieser Wald, der sich in dieser langen Zeit immer wieder selbst verjüngte und immer robuster wurde, nun plötzlich nach vierzehntausend Jahren einer radikalen und immens teuren Verjüngungskur unterzogen werden muss, war abzusehen. Denn wenn die Regierung eine Daseinsberechtigung sucht, vergreift sie sich am Eingemachten und verfällt in blinden Aktionismus, den sie dem Bürger als dringende Notwendigkeit, die er auch noch zu berappen hat, um die Ohren schmiert. In unserem Falle werden erst einmal die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, dass wenn wir nicht plötzlich etwas unternehmen, die Bergwälder ab sofort und für immer verrecken und wir mit Gerölllawinen samt Kind und Kegel und Maus und Katz verschüttet werden. Dann werden die Förster und die Jäger aufeinander losgehetzt und deren Fronten vollständig vernebelt und ihr guter Menschenverstand ausgehebelt. Um diese wunderbare Streitsuppe am Köcheln zu halten, wird immer neues Öl ins Feuer geschüttet und zwar so lange, bis dieser Konflikt nicht mehr lösbar ist. Hernach wenn dann kein Schwein mehr weiss, was hinten und vorne ist, dann wenn jeder Hirsch in den Verdacht kommt, den ganzen Wald auf einmal aufzufressen, dann wenn jeder ältere Baum in der Lage ist, tausend Menschen auf einmal zu erschlagen, dann wenn das C02 den letzten Tannenzapfen verfaulen liess, dann wenn die Jäger allesamt zu schiesswütigen Schlächtern denunziert sind, dann wenn also alles wunderbar läuft, dann tritt die Regierung auf den Plan und sieht sich genötigt, eine Vormachtstellung in Weidangelegenheiten einzurichten, um dieser ganzen Sauerei ein Ende zu bereiten und zu sagen, wo für den unfähigen Gamsbartträger noch ein Schluck Most übrig ist. Und dann wird angeschafft. Erst einmal gleich vier Stück staatliche Jäger samt Amtsstube. Dann 11 000 Motorsägen (tausend pro Gemeinde), dann 300 Forstfahrzeuge und 700 Lastwagen. Und dann geht es los für die nächsten 40 Jahre. Im Wald wird der letzte verbliebene Hirsch kastriert und in ein Gatter gesperrt, der von den vier staatlichen Jägern im Dröhnen der stinkenden Motorsägen so lange und rund um die Uhr bewacht wird, bis Forst und Weidmarxismus verfassungstauglich erscheinen.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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