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Leserbrief

Hirschwütiger Aktionismus …

Felix Näscher, Aspergut 2, Eschen | 14. März 2020

6212 Hirsche – oder im Mittel 207 Stück/Jahr – wurden laut unserer Jagdstatistik in den letzten 30 Jahren erlegt oder sind anderweitig umgekommen. Zum Vergleich dazu: 380 Hirsche – eine bisher nie gekannte Abschusshöhe – sieht der Abschussplan der Abteilung Wald und Jagd des Amts für Umwelt für das Jagdjahr 2020 vor. Was ist davon zu halten? Um es gleich zu sagen – rundweg nichts! Zwar berechnet sich die Abschusshöhe in idealen Systemen nach der Formel: Abschusshöhe = (Frühjahrsbestand + Zuwachs + Zuwanderung) – (Abwanderung + Fallwild + angestrebter Endbestand); eine Formel jedoch, bei welcher bezüglich der Liechtensteiner Abschussplanung 2020 nur die angestrebte Abschusshöhe von eben 380 Stück bekannt ist; alle anderen Parameter sind unbekannt; sie bewegen sich im Bereich des Wunschdenkens oder der Spekulation: Annahmen betreffend Frühjahrsbestand, d. h. Zahl der im Land überwinternden Hirsche (250, 300 oder gar 350 Stück) sowie Zahl der im Frühling geworfenen Kälber, betreffend Summe aus Zu- und Abwanderung sowie Höhe des Fallwildes bewegen sich im Bereich imaginärer Zahlen.
Fakt ist, dass die in Liechtenstein auf etwa 40 Prozent der Landesfläche vorkommenden Hirsche Teil einer Hirschpopulation sind, welche die angrenzenden Gebiete der Kantone Graubünden und St. Gallen sowie des Bundeslandes Vorarlberg besiedelt – und dies auf einer Fläche unserer Landesgrösse. Tatsache ist auch, dass im Verlaufe des Jahres etwa 600 bis 750 Hirsche aus dieser Gesamtpopulation wenigstens einmal im Land sein müssen – anders lässt sich ein durchschnittlicher Abschuss von 207 Stück über so viele Jahre nicht erklären; hätte diese Zuwanderung nämlich nicht stattgefunden, wäre der vermeintlich liechtensteinische Hirschbestand jeweils nach etwa gut 5 Jahren ausgerottet gewesen. Fakt ist vor allem auch, dass dieser jährlich bewerkstelligte, überaus hohe Hirschabschuss nur mit allergrösstem Einsatz der Liechtensteiner Jagdpächter möglich war – und dies aufgrund zunehmender störender Fremdeinflüsse bei der Ausübung der Jagd, leider mehr und mehr nur mit amtlich verordneten, tierschützerisch und jagdethisch zumindest grenzwertigen Methoden. Aber immerhin, die Verjüngungssituation im Wald verbessert sich zusehends.
Die Ziele des Alp-, Jagd-, Naturschutz- und Waldgesetzes stehen gleichberechtigt nebeneinander. Strategien zu deren Umsetzung setzen also eine integrale Sicht voraus, verlangen wechselseitige Koordina-tion und Unterstützung bei der Umsetzung. Hirschwütiger Aktionismus, ökologische und konfliktsozio-logische Unbedarftheit, systematische Diskussionsverweigerung, Intransparenz und obrigkeitliche Selbstherrlichkeit sind nicht zukunftsfähig – es braucht dringend jene partnerschaftliche Kooperation, welche von allen beschworen wird, von wenigen aber unbedingt verweigert werden will.

Felix Näscher,
Aspergut 2, Eschen

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