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Leserbrief

Das ist nicht ihre Aufgabe

Hans Frommelt Gapont, Triesen | 11. März 2020

Gestern steckte ein Brief der Liechtensteinische Post AG im Briefkasten mit dem Titel: «Jetzt gratis von Warenmustern profitieren». Unterzeichnet ist der Brief von Michael Aggeler, Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Verkauf und Marketing sowie Andreas Luzi, Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Zustellung und Logistik.
So steht im Brief, dass im April 2020 jeweils ein attraktives Müsterli von Kägi in den Briefkasten gelegt wird, damit man den (in Plastik eingeschweissten) Schokoladengenuss in aller Ruhe probieren kann. Der Brief endet mit dem Satz: «Erleben Sie Werbung einmal anders – mit echten und attraktiven Warenmustern in Ihrem Briefkasten.»
Derzeit schreit die halbe Welt über die Plastikflut. Die Postzusteller werden mit rigorosen Kontrollen, aber nur bei schönem Wetter, bezüglich der Postzustellungsgeschwindigkeit gecheckt. Bei schlechtem Wetter oder Schneefällen habe ich noch nie einen Bürolist der oberen Etagen gesehen, der den Pöstlerinnen und Pöstlern bei der Postzustellung hilft, damit die bei schönem Wetter vorgegeben Zahlen eingehalten werden können.
Im Gesetz vom 18. Dezember 1998 über das liechtensteinische Postwesen steht im Zweckartikel, dass «die landesweite Versorgung mit Postdiensten und Zahlungsdiensten sicherzustellen ist». Dort steht auch, dass das Postwesen den Europäischen Richtlinien entsprechen muss. Nichts steht im Gesetz davon, dass man Marketingleistungen zur Verfügung stellen muss, gar den Plastikverbrauch künstlich erhöhen sollte. Auch kein Wort davon, dass man für Warenlieferanten Werbehilfe und Marketing betreiben muss. Die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlen.
Ein Brief von Ruggell nach Balzers (Distanz: 25 Kilometer) kostet 1 Franken. Ein internationaler Brief kostet 1.50 Franken. Derselbe Brief von den Kanarischen Insel an das Nordkap, rund 5600 Kilometer Luftlinie (zweimal auf Googel-Earth kontrolliert) kostet 1.10 Euro.
Kein Wunder also, wenn bei uns die Postgebühren so hoch sind, wenn die öffentlich-rechtlich verankerte Post da noch Werbung für Warengenussanbieter einkalkuliert. Vermutlich ist bereits seitens der Presseabteilung für den Mai 2020 die Pressemitteilung vorgesehen, dass Personalmangel bei den Pöstlerinnen und Pöstlern besteht.
Es ist auch schlicht und einfach daneben, unsere Pöstlerinnen und Pöstler noch als Werbemittelverteiler zu missbrauchen. Es ist auch nicht die Aufgabe der Post, Gratiszeitungen sowie Gratiswerbung über Briefkästen Paroli zu bieten.

Hans Frommelt Gapont, Triesen

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