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Leserbrief

Renaissance der Pföhlerbuben

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 11. März 2020

Beim Presta-Kreisel Richtung Mauren stehen alle zwei Meter gegen das Trottoir die geliebten «Eisenpfosten». Wahrscheinlich, um dem Autofahrer zu deuten, dass Strasse und Bürgersteig zwei verschiedene Dinge sind. Oder aber, um dem Fussgänger zu sagen, dass Bürger-steig und Strasse auch nicht dasselbe sind. Nun steht aber hinter dem Trottoir gegen die Grasnarbe dahinter nochmal eine Reihe Pfosten. Eine Sinnvariante wäre, damit die dummen Fussgänger auf dem Trottoir bleiben und nicht einfach das Gras zertrampeln. Oder die andere, um den Hund oder den Esel anzubinden, um mit ihm zu verschnaufen. In Mauren beim Freihof ist ein weiteres Kuriosum dieser Art anzutreffen. Auch hier stehen hinter den Strassenpfosten, die das «Rundummile» der Kurve markieren, nochmal eine Reihe Eisenwächter. Da es aber in Mauren nur wenige Esel gibt, muss man halt ein Ross oder eine Kuh oder den besoffenen Saufkumpan anbinden, um diesen Pfosten einen Sinn zu geben. Und wer bis hierhin glaubt, das Ganze wäre lustig, hat sich aber schwer getäuscht. Ich fahre mit dem Fahrrad in den Kreisel hinein und komme dort, obwohl ich einen Helm trage zu Fall. Weil, auf der Strasse hat ein Lastwagen eine Ladung Sand verloren und das Auto hinter mir hat mich auf dieser rutschigen Sandkurve so bedrängt, dass ich stürzte. Und zwar so saublöd, dass ich mit dem Gesicht seitlich genau auf so einem Pfosten aufschlug. Von da an weiss ich nichts mehr. Der Chefarzt im Kantonsspital St. Gallen erzählte mir dann, als ich aus dem Koma erwachte, ich hätte den Wangenknochen eingeschlagen und jener wäre sehr tief eingedrungen, was zu einem hohen Blutverlust geführt habe. Und auch an Schläfe und Ohr hätte ich lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Und wenn es keine Komplikationen gebe, könne ich in ein paar Monaten wieder nach Hause gehen. Mit dem Trauma und dem abgeschlagenen Ohr würde ich aber mein Lebtag lang zu kämpfen haben. Da dachte ich, mir brennt’s den Verband vom Kopf. In dieser fiktiven Geschichte aber hatte ich genügend Zeit darüber nachzudenken, warum der Staat alles unternimmt, die Verkehrssicherheit seiner Steuerzahler zu gewährleisten; Angurten, Handyverbot, Geschwindigkeitstafeln alle paar Meter und elektrische Geldeintreiber in Form von Radarkästen hinter jedem Busch. Auf der anderen Seite er aber in ganz perfider und gemeiner Manier Fallen aufstellt, welche dem Radfahrer den Tod, dem Motorradfahrer abgeschlagene Beine und dem Autofahrer enorme Blechschäden bescheren.


Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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