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Leserbrief

Was wir vom Wald erwarten!

Felix Näscher, Aspergut 2, Eschen | 4. März 2020

Unser Wald bedeckt mehr als zwei Fünftel der Landesfläche. Allein aufgrund seiner schieren Existenz hat er einen Eigenwert. Dazu prägt er das vertraute Bild unserer Landschaft, umfasst den grössten Naturraum und bildet die einzige Lebensstätte für viele Pflanzen- und Tierarten. Er vermag Leistungen zu erbringen, die täglich nachgefragt werden: So liefert er Bau- und Brennholz, trägt zur Verminderung von Naturgefahren bei, erfüllt Aufgaben im Sinne des Naturschutzes, spielt eine Rolle im Klima- sowie Trinkwasserschutz und bildet einen natürlichen Erholungs- und Ruheraum. Alle diese allgemeinen Waldwirkungen vermag unser Wald – und dies auf seiner gesamten Fläche – allein deshalb zu erbringen, weil er eben Wald ist.
Wir alle wissen aber auch: Ein einzelner Erdapfel kann nicht gleichzeitig «festkochend» und «mehlig kochend» sein – also etwas leisten, was über das normale Erdapfel-Sein hinausgeht. Genauso verhält es sich beim Wald: Ein einzelner Wald kann nicht maximale Naturschutzleistungen und gleichzeitig maximalen Bauholz- und Brennholzertrag erbringen. Und dennoch bestehen lokal berechtigte, spezifische und über das normale Leistungsvermögen – über das normale Wald-Sein – hinausgehende Leistungserwartungen an einzelne Wälder. Um diesen Leistungsanforderungen nachhaltig gerecht werden zu können, wurde der ganze Liechtensteiner Wald schon vor über einem Vierteljahrhundert bezüglich solcher lokalspezifischer Leistungserwartungen analysiert.
Millionen von Franken und den Einbezug aller relevanten Stakeholder erforderte es, von ausgewiesenen externen Gutachtern Vegetationskarten, Naturgefahrenkarten und Risikoanalysen, Wald- oder Naturvorrangflächeninventare erstellen zu lassen. Deren Ergebnisse widerspiegeln sich in der geltenden Waldfunktionen-Kartierung. Nicht nur das – Vorschläge zu deren konkreten Umsetzung in die Praxis wurden in allen Gemeinden für alle Interessierten zur Vernehmlassung aufgelegt: Alle Waldbesitzer haben die Waldfunktionenkartierung als Gesamtes, die gleichzeitige Ausscheidung von Wäldern mit lokalspezifischen Vorrangfunktionen und vor allem diesen angepasste Pflegegrundsätzen gutgeheissen; als Handlungsrichtlinie für den Umgang mit dem Wald hat die Regierung die Umsetzung der Waldfunktionenkartierung mit Verordnung beschlossen: Auf rund 10 Prozent seiner Fläche erfüllt der Wald sehr wichtige Schutzfunktionen für Men-schenleben und erhebliche Sachwerte, auf 18 Prozent herausragende Naturschutzfunktionen, ist auf 25 Prozent zur Holzproduktion geeignet und erfüllt auf 1 Prozent wichtige Erholungsfunktionen.
Und wie erfolgt Waldwirtschaft heute? Weitgehend ungeachtet der Waldfunktionenkartierung und deren zielorientierten Pflegegrundsätzen scheint, vom Auwald bis zum Bergwald, einfach nur beliebig, zum Schaden oder zum Nutzen, herumgewerkelt zu werden; doch dazu später.

Felix Näscher,
Aspergut 2, Eschen

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