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Leserbrief

Der letzte Unterschlupf ist der Friedhof

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 29. Februar 2020

In der «Ostschweiz» vom 21. Februar bringt es Günther Meier aber sagenhaft und irgendwie grazil auf den Punkt, indem er in «Vaduz vor Geschlechterdebatte» schreibt: In der fünfköpfigen Regierung hätten zwei Frauen «Unterschlupf» gefunden, aber im Parlament würden es gerade drei Frauen sein, die 22 Männern gegenüberstünden. Für Günther Meier scheint es demnach klar zu sein; eine Frau, die im Parlament ist, steht dort ihren Mann, und eine Frau, die in der Regierung sitzt, hat dort einfach nur «Unterschlupf» gefunden. Eine nicht uninteressante Herangehensweise an das, was uns nun in Form einer Verfassungsänderung zugunsten des schwachen Geschlechtes alles noch bevorsteht. Wobei der Begriff «das schwache Geschlecht» ja zuallererst ausgemerzt werden müsste, was in Zeiten des Genderwahns jedoch ein Kuriosum wäre. Die Redewendung vom schwachen Geschlecht bietet ja Raum für die Idee, dass die Frauen alle schwächlich sind. Nur, was wollen schwache Frauen in der Politik? Dort brauchen wir die mutigsten und die stärksten, welche der Flecken Liechtenstein jemals zur Welt gebracht hat. Haudegen und wagemutige Kämpfer, die Verantwortung übernehmen wollen und das Land aus der illustren Abstraktion in die Realität zu führen imstande sind. Obwohl mit dieser Verantwortung ist das so eine Sache, denn auf die Ver-Antwort auf die Wahlversprechen wartet man im immerwährenden Turnus von vier vertanen Jahren. Die Bringschuld der Politik wird nur durch Zufälle getilgt, wobei noch kein konkreter Fall bekannt geworden ist. Die Causa Frick hat uns gezeigt, dass dieser Unterschlupf, den man Frauen in der Regierung gnädigerweise gewähren muss, jedoch nicht berechtigt, sich wie ein aus der gewöhnlichen Gesellschaft Entschlüpfter zu benehmen, sondern auch von einer Regierungsfrau fordert, dass sie dort ihren Mann steht und für das Land und seine leiderprobten Bewohner ihr Allerbestes hergibt. In einem kleinen Land, in welchem Milch und Honig geradezu von der Decke tropfen, ist das aber alles gar nicht so wichtig. Weitersabbern genügt, weil die Probleme, die es zu lösen gälte, ja jene Säulen sind, auf welchen die Politik sich ausruht. Da kommt einem für unser Land folgende Geschichte in den Sinn: Ein Mann liegt im Krankenwagen und fragt den Fahrer: Wohin fahren wir? Jener sagt zu ihm: Wir fahren zum Friedhof. Worauf der Mann sagt: Aber ich bin doch noch gar nicht tot. Darauf gibt ihm der Fahrer zu verstehen: Wir sind ja auch noch gar nicht da.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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