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Leserbrief

Verzeichnis wirtschaftlicher Eigentümer – Keine Privatsphäre mehr

Roger Frick, Dipl. Wirtschaftsprüfer, Treuhänder/TEP, Betriebsökonom FH, Oberfeld 76,... | 25. Januar 2020

Vor einigen Tagen wurde der Bericht und Antrag der Regierung zur Änderung des Gesetzes über das Verzeichnis der wirtschaftlichen Eigentümer inländischer Rechtsträger in die Vernehmlassung gesandt. Das ist ein Teil der Umsetzung der fünften EU-Geldwäscherichtlinie. Das öffentliche Register, das erstmals per 31. Januar 2020 die im jetzigen Gesetz vorgesehenen Daten enthalten wird, wird sowohl im Inhalt wie mit Bezug auf den Zugang wesentlich erweitert. Es wird dazu führen, dass Stiftungen, Trusts und Gesellschaften im internationalen Wettbewerb vor ungeahnten Herausforderungen stehen. Es wird dazu führen, dass das «level playing field» nicht mehr gewahrt wird. Es wird dazu führen, dass der Vermögensschutz, auf den jeder ein Recht hat, eine ganz andere Stellung haben wird. Es führt dazu, dass die Privatsphäre nicht mehr gilt, ich bin der Ansicht, dass der Zugang, so wie er vorgesehen ist, wie auch der Dateninhalt jeglichem Verbot der Willkür und Recht auf Privatsphäre widerspricht. Das Gesetz führt auch dazu, dass trotz gesetzlicher Regelung gar nicht mehr sicher ist, dass die registrierten Personen überhaupt den vom Gesetz vorgesehenen Garantieschutz haben, weil eine Vernetzung im EWR vorgesehen ist und ausländische Gesetze mit einem anderen Regelwerk auf den Dateninhalt Konsequenzen entfalten. Wie naiv kann man da nur sein.
Rückfragen in andern EU-Ländern (ohne jene an den Pranger zu stellen) bei Unternehmen, die in etwa dasselbe tun wie die liechtensteinischen Treuhänder, mit notabene Mitarbeitern von 7000 weltweit, ergeben, dass sie selbst die bei uns jetzt bestehende «Vorgänger»-Version «on hold» für 18 Monate gesetzt haben, das heisst vor Mitte 2021 wird nichts registriert. Das ist irritierend, vor allem bei Holdingstrukturen, wo die Muttergesellschaft in Liechtenstein ist, mit Tochtergesellschaften in Holland, Schweden usw. Es wird mir gesagt, dass diese Treuhänder mit Regierungen und Parlamenten zusammensitzen, weil jedem klar ist, dass der Vermögensschutz so nicht mehr garantiert werden könne. Die Kundschaft hätte zu grosse Risiken.
Das scheint in Liechtenstein nicht der Fall zu sein. Wir sind naiv, ich fühle mich in einem Polizeistaat, mit Gewalt wird vorschnell ein Gesetz umgesetzt. Ich hoffe, dass da etwas passiert.

Roger Frick, Dipl. Wirtschaftsprüfer, Treuhänder/TEP, Betriebsökonom FH, Oberfeld 76, Triesen

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