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Leserbrief

Rheindamm sperren oder Radfahrer umleiten?

Hansrudi Sele, Pradafant 1, Vaduz | 11. Januar 2020

Der Vaduzer Gemeinderat hat an seiner Sitzung vom 26. März 2019 die Sperrung des Rheindammes für den motorisierten Verkehr einstimmig befürwortet. Anlässlich der GR-Sitzung vom 14. Mai 2019 – inzwischen hatten die Gemeindewahlen stattgefunden – hat der neu gewählte Gemeinderat die Sperrung nur noch mehrheitlich befürwortet. Im Gremium waren also Zweifel aufgekommen, ob diese Sperrung richtig ist, oder ob da ein Problem nur verschoben oder gar vergrössert wird. Die Regierung hat die Beschwerde des Komitee Pro Rheindamm zwar etwas wortklauberisch abgewiesen. Jedoch ohne eine Änderung des gültigen Verkehrsrichtplanes der Gemeinde kann der Rheindamm nicht gesperrt werden.
Die Gemeinde will nun die Änderung des 2017 erlassenen Richtplanes anpeilen. Das Positive daran: An einer Informationsveranstaltung soll der Bevölkerung die Gelegenheit zur Mitwirkung am Richtplan-Prozess eingeräumt werden. Im Vorfeld dieser am 27. Januar stattfindenden Diskussionsveranstaltung einige Anmerkungen als Diskussionsbeitrag:
• Was will der gültige Verkehrs-Richtplan? Im derzeit gültigen Verkehrs-Richtplan ist der Rheindammabschnitt von der Oberen Rüttigasse bis zur Lettstrasse als Sammelstrasse bezeichnet. Absicht der Verkehrsplaner war es, über den Rheindammabschnitt die Land-stras­se und insbesondere das Nadelöhr «Herrengasse» vom zunehmenden Verkehr zu entlasten und mit der Rheinstrasse als Fortsetzung eine Umfahrung des Vaduzer Zentrums zu ermöglichen.
•Ist seit 2017 die Anzahl Fahrzeuge zurückgegangen? Im Zuge der Realisierung der Radbrücke über den Rhein wurde die Beibehaltung der baulich bedingten Sperre des Rheindamms durch den Vaduzer Gemeinderat beschlossen. Dies insbesondere zur Förderung des Fahrradverkehrs. Weshalb nun eine Entlastung der Landstrasse für nicht mehr nötig betrachtet wurde, sondern auf dieser Route gar eine Verkehrsverdichtung in Kauf genommen wird, ist schwer nachzuvollziehen. Ist die Anzahl der Motorfahrzeuge in den letzten Jahren derart zurückgegangen? Wie sich die Rheindamm-Sperrung auf der Landstrasse auswirken wird, war während der Bauzeit der Radbrücke zu beobachten. Rückstau am helllichten Nachmittag vom Adlerkreisel teils bis zum Kreuz bei der Lochgasse.
• Wie wird sich die Verkehrsverdichtung im Ortskern auswirken? Gegen den Beschluss des Gemeinderats hat sich in der Bevölkerung grosser Widerstand entwickelt. Innert weniger Tage sind vom Komitee Pro Rheindamm über 500 Unterschriften für eine Petition gesammelt worden. Zurecht spontaner Widerstand! Von der Verkehrsverdichtung auf der Landstrasse sind nicht nur die Strassenbenützer, sondern auch die Anlieger, die Geschäfte im Zentrum, die Bewohner in den äus-seren Quartieren, die Fussgänger und auch die Radfahrer im Dorf mitbetroffen. Während andere Gemeinden auf die verkehrsmässige Entlastung des Zentrums setzen – so hat beispielsweise die Nachbargemeinde Buchs mit einer nördlichen und südlichen Umfahrung das Zentrum entlastet – setzt der Vaduzer Gemeinderat auf die verkehrsmässige Verdichtung im Ortskern.
• Welchen Beitrag könnten die Radfahrer leisten? Die längerfristige Folge wird wohl sein, dass der Bau einer Umfahrung gefordert wird. Denn an einer Entlastungsmöglichkeit für das Zentrum wird man in Vaduz über kurz oder lang nicht vorbeikommen. Dazu bietet sich der Rheindamm als ideale Route an, es sind keine Wohnquartiere betroffen. Eine Möglichkeit bestünde mittelfristig darin, dass den Radfahrern auf dem Rheindamm eine kurze «Umleitung» über ei- nen der anderen vier Radwege auf Vaduzer Gebiet zugemutet wird. Dies nur an den Werktagen. An den Wochenenden steht ihnen der Rheindamm wie bisher allein zur Verfügung.

Hansrudi Sele,
Pradafant 1, Vaduz

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