Leserbrief

Held aus Liechtenstein!

Barbara Ortner, Wien | 25. Januar 2019

Als Musikerin und Violinpädagogin aus der Musikstadt Wien möchte ich gerne meine musikbezogenen Gedanken zum 300-Jahr-Jubiläum des Fürstentums öffentlich machen. Durch internationale Kontakte habe ich die Diskussionen rund um eine neue Hymne mit eigener und einzigartiger Melodie mitbekommen.
Im Jahre 1745 hörten die Londoner nach einer Theateraufführung zum ersten Mal ihre Hymne in der heute bekannten Form «God bless our noble King». Die schöne und festliche Melodie begeisterte auch viele andere Staaten des damaligen «Deutschen Bundes» und wurde in das jeweilige eigene Liedgut übernommen, bis sie 1895 anlässlich der Liechtensteinischen Landesausstellung auch zur Liechtensteinischen Hymne wurde. Dass so eine ähnliche Tonfolge im Laufe vieler Staatsbegegnungen und Sportveranstaltungen Verwirrung stiften kann, ist eine Sache. Aber wollen die Einwohner und Kindeskinder der Gründungsväter eines so schönen Landes, wie es Liechtenstein unumstritten ist, nicht ihre eigene Melodie mit Wiedererkennungswert für Jung und Alt haben?
Als Organisatorin vieler Musik­events und als Kooperationsbeauftragte im Musikschulmanagement Niederösterreich habe ich sehr viel Kontakt mit nationalen und internationalen Musikern. Eine Hymne ist etwas, womit jeder seine Heimat, seine Herkunft und seinen Herzensglauben verbindet. Josef Gabriel Rheinberger, mein musikalischer «Held aus Liechtenstein», hat ein wunderbares Heimatgedicht des Mälser Priesters und Lehrers Johann Baptist Büchel in einer leicht lern- und merkbaren Melodie vertont. Büchel gehörte sogar während zweier Perioden dem liechtensteinischen Landtag an und war als Landtagsvizepräsident tätig.
Wäre es daher nicht naheliegend, ja fast ein Auftrag an die Organisatoren von «300 Jahre Liechtenstein» und an die Politiker in Liechtenstein, diese Melodie in den Schulen, Musikschulen und Chören des Landes zu verbreiten, um am 15. August (der sogar auch mein Geburtstag ist!) diese neue Hymne erklingen zu lassen? Ich habe mir erlaubt, das Lied von Rheinberger in einen vierstimmigen Chorsatz und eine Ausgabe für Streichquartett zu bringen, damit Sie sich ein «Hörbild» machen können. Sowohl die Partitur als auch die Einzelstimmen sind sofort für alle regionalen Chöre nutzbar, und auch zum Üben daheim im Familien- und Freundeskreis mit passenden Tonaufnahmen einfach umsetzbar. Sie können auch gerne die erforderlichen Gesamtdateien unter meiner E-Mail-Adresse barbara.ortner@musikschulmanagement.at anfordern.
Bei uns in Österreich entstanden sogar zwei inoffizielle zusätzliche Hymnen, die weltweit sicherlich mehr Menschen kennen als unsere eigentliche Landeshymne, nämlich der Walzer «An der schönen blauen Donau» und der «Radetzkymarsch». Lasst doch auch im wunderbaren Liechtenstein zum runden Jubiläum eine neue Hymne mit echt liechtensteinischem Ursprung ertönen:

An die Heimat
1.Oh Heimatland in weiter Fern’, wirst du genannt lausch’ ich so gern.
Bin ich im Wald und Wiesengrün, nach dir geht bald mein Sehnen hin.
2. Wenn Schlummer bringt dem Müden Ruh’, mein Geist sich schwingt den Alpen zu.
Sing ich dein Lied, es klingt so traut: durchs Herz mir zieht der Heimatlaut.
3. Wenn Winde wehn’ von Fern heran, und Wolken ziehn’ in luft’ger Bahn,
sind’s Boten mir vom Ländchen mein, ein Gruss von dir, oh Liechtenstein!

Barbara Ortner, Wien

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