Leserbrief

Schlafwandler in Albträumen

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 23. Januar 2019

«Schlafwandelnd in die Katastrophe, das WEF warnt vor Risiken reihum», so hiess die Schlagzeile kürzlich im Wirtschaftsteil einer unserer Tageszeitungen. Diese Zukunftskatastrophen seien der Klimawandel, die Datenkriminalität, geopolitische Krisen und wirtschaftliche Spannungen. Medial hochstilisiert und völlig übertrieben ist die Rede von einem «verheerenden Bild vom Zustand der Erde», durch globale Risiken sei sie «ausser Kontrolle» usw.
Was ist aus diesem WEF geworden. In 1970er-Jahren zu Zeiten von Abschottung im Kaltem Krieg mit dem Ziel gegründet, hohe Staatsvertreter bewusst abseits der Metropolen und ohne Medien im verschneiten Davos zusammenzubringen, um nach Ausgleich jenseits ideologischer Denkmuster zu suchen. Heute ist das Ganze zum genauen Gegenteil mutiert, zu einem medialen Grossanlass mit über 3000 Teilnehmern aus Regierungen, Politik, Wirtschaftskonzernen, Staatsorganisationen und Regierungs-alimentierten NGOs, wo jeder 10 000e Franken fürs Dabeisein (und Gesehenwerden) bezahlt, um globalistischen Denkmustern zu frönen.
An diesem WEF-Anlass werden sie über zukünftige Katastrophen spekulieren und sich dabei wohl zu übertrumpfen suchen. Echte, Bevölkerungen heute belastende Probleme scheinen weniger bedeutsam zu sein. Zu denen würden gehören: Nahezu Null-Zinsen aufs Ersparte bei ständig steigenden Lebenskosten, mit der Folge eines schleichenden Wertverlusts, verursacht durch massiv aufgeblähte Geldmengen; oder grassierende Staatsverschuldungen mit ständig steigenden Staatsausgaben, die Bevölkerung zu immer mehr Abgaben und Steuern nötigen; oder Pensionsversprechen und Gesundheitskosten, die mit heutigen Umlagen in Zukunft kaum mehr finanzierbar sein werden; oder Verschleppung von Sanierungen der Infrastrukturen und bewährter Energieversorgungen; oder langfristig ungedeckte Kosten im Zusammenhang mit Migration, neben deren gesellschaftlichen Auswirkungen.
Aufgabe und Verantwortung dieser Welten lenkenden Eliten wäre es, wirksame Lösungen für anstehende Herausforderungen zu finden, anstatt sich «Zukunftskatastrophen» auszumalen, deren Relevanz mit grösster Wahrscheinlichkeit weit hinter diesen Herausforderungen bleiben werden. Nicht die Welt schlittert schlafwandelnd in albtraumhafte Katastrophen, sondern diese Eliten schlafwandeln in Albträumen, anstatt sich wahren Herausforderungen zu stellen. Kein Wunder, schwindet weltweit das Vertrauen in sie, was noch weit grössere Gefahren in sich birgt.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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