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Leserbrief

Big Brother plant «Watschn» for you

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 4. Januar 2019

Was in Liechtenstein endlich zum Erblühen gekommen und woran andere Staaten jahrelang, wenn nicht für immer und ewig herummurksen, ist die Einführung, die Festigung und die Akzeptanz der wahren und unverfälschten Volksdemokratie. Zumindest wenn man den Ausführungen von Menschrechtsobmann Kranz neulich in der «Liewo» und den Weissagungen von Wilfried Marxer vom Liechtenstein-Institut jüngst im «Vaterland» ein paar jungfräuliche Ohren gönnen will. Der eine hat zielbewusst erkannt, dass Regierungsentscheide massgeblich von Leserbriefen beeinflusst werden. Und er macht keinen Hehl daraus, dass es nicht so sein könnte. Der andere lässt seiner Befürchtung freien Lauf, in welcher er feststellt, dass das Land Liechtenstein von Leserbriefschreibern regiert wird und das neue Demokratiebewusstsein drauf und dran ist, ihn arbeitslos zu machen. Sprich, die Denkvorgaben des Liechtenstein-Institutes sausen dem aufgeweckten Liechtensteiner in immer grösserem Bogen an den hinteren Gesässtaschen vorbei.
Im Verständnis, dass es dem Land gut, ja geradezu sehr gut bis hervorragend geht, scheinen wir also hiermit auf dem richtigen Wege zu sein und es wird allerhöchste Zeit, den Schreibern von Leserbriefen mehr Respekt, Anerkennung oder sogar uneingeschränkt Hochachtung zu zollen. Das Volk regiert und alle Macht muss von ihm ausgehen. Wenn dies geschieht und es ist bei uns nicht nur in der Verfassung so festgelegt, sondern festigt sich auch im Alltag immer tiefer, dann liegen wir mehr wie nur richtig. Wenn es nun auch noch gelingt, den ausufernden Staatsapparat durch Leserbriefe in erträglichere Bahnen zu lenken, können wir uns eine kleine Verschnaufpause gönnen, denn dann ist alles gut.
Aber aufgepasst, die Gefahr, dass der Volkswille von falschen Händen verdreht und vernebelt oder am Wirken und Gedeihen gehindert wird, lauert an allen Ecken und Enden. Dass ausgerechnet in der regierungsnahen Zeitung jene Leserbriefe der Zensur anheimfallen, welche am Führungslack der Vaterländischen Union kratzen, wird ja wohl kein Zufall sein. Und dass ausgerechnet der Polizeichef das neue Überwachungsgesetz verniedlicht und in den Himmel hinauf lobt, lässt erahnen, was es bereits schon geschlagen hat. Ergreifen wir also nicht schnell das Referendum gegen dieses mörderische und zerstörerische Machwerk, das dem Denunziantentum Tür und Tore öffnet, wird der Tag nicht mehr weit sein, an welchem jede freie Meinung mit «Ohraflättara» bedacht auf das Schafott gezerrt wird.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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