Leserbrief

Über den 11. 11.

Franz Näscher, Pfr. i. R., Kirchagässle 14, Bendern | 11. November 2014

Im Mittelalter begann nach dem 11. November in vielen Gegenden die Adventszeit, wie es in einigen Bistümern, etwa im Erzbistum Mailand, bis heute geblieben ist. Somit dauerte Adventszeit wie die Fastenzeit vor Ostern vierzig Tage und hatte sechs Sonntage. Auch der Advent war eine sogenannte «geschlossene Zeit», während der bis ins 20. Jahrhundert nicht getanzt und aufwendig gefeiert wurde und deshalb auch keine feierlichen Hochzeiten stattfanden.
Um den Ernst der langen Vorbereitungszeit zu betonen, wurden die Tage vor deren Beginn schon damals fröhlich und ausgelassen begangen. Wie der Fastenzeit die Fasnacht vorangeht, so machte man es vor allem am 11. November; heute meinen die Fasnächtler allerdings, es beginne damit um 11 Uhr 11 die Fasnacht vor der österlichen Fastenzeit! Bis in unsere Zeit erinnert noch manches Brauchtum an den frühen Beginn der Adventszeit. Wie vor der österlichen Fastenzeit wollte man beispielsweise auch vor dem Advent noch einmal gut essen; davon stammt der Brauch der Martinigans, in der Fasnacht der «schmotzige» («fettige») Donnerstag.
Der 11. November ist der Gedenktag des heiligen Martin, Bischof von Tours (+397); in früheren Jahrhunderten war der Tag ein Grenztermin im Jahreslauf: ein Arbeitsjahr ging zu Ende, Knechte und Mägde wurden entlassen oder gewechselt; man brachte die Erträge auf den Markt, den sogenannten «Martinimarkt»; der 11. November war Zinstag. Möglicherweise noch aus der Zeit der sechswöchigen Adventszeit mit Beginn nach dem Martinstag stammt der Brauch des Martinilichts: «Ich geh’ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.» Im Frühling war der 23. April, der Gedenktag des heiligen Georg, ein Grenztermin im Jahreslauf.
Martin und Georg sind darum Heilige, die so manchen Kirchen den Namen gegeben haben, in unserem Land der Martinskirche in Eschen und der Georgskapelle im Hinterschellenberg; Martin ist zudem der zweite Patron der Pfarrkirchen von Balzers und Triesen sowie der Steg-Kapelle.


Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

«Kleine fehlbare Gruppe»

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung