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Leserbrief

Ist die Ärztekammer glaubwürdig?

Harry Quaderer,DU-Fraktionssprecher,Bildgass 25, Schaan | 11. November 2014

Ein viel diskutierter Leserbrief mit dem Titel «Sozialer Raubbau» erschien am Donnerstag im «Volksblatt». Eingesandt und unterschrieben wurde der Leserbrief durch Herrn Jonas Ospelt, verfasst aber mit hoher/höchster Wahrscheinlichkeit von der Ärztekammer-Präsidentin Ruth Kranz-Candrian. Die lahmen Erklärungsversuche ihrer Ärztekammer-Kollegen wie auch diejenigen von Herrn Ospelt erhärten (anstatt entkräften) eher die Vermutung, dass besagter Leserbrief von Kranz-Candrian aufgesetzt und nicht nur gegengelesen worden war. Diese höchst peinliche Aktion bringt offenbar sämtliche Mitglieder der Ärztekammer derart in Verlegenheit, dass sie sich nicht getrauen, sich zu Wort zu melden. Wo bleibt der Mut, sich von diesem Vorgehen zu distanzieren? Einfach dem Frieden zu Liebe mitgehen und dann auch fangen lassen?
Meines Wissens unterhält die Ärztekammer eine Standeskommission. Wer ist in dieser? Nur schweigende Lämmer? Mit Sicherheit gibt es ein Ärztegesetz: Art. 26 Abs. 3 besagt: «Ein Arzt begeht durch ausserberufliches Verhalten ein Disziplinarvergehen, wenn dieses geeignet ist, seine Vertrauenswu¨rdigkeit erheblich zu beeintra¨chtigen.»
Ganz offensichtlich müsste sich die ärztliche Vereinigung mal ersthaft Gedanken über ihr Auftreten in der Öffentlichkeit machen und gegebenenfalls die Hebel am richtigen Ort ansetzen. Dass mein Antrag im Landtag, der Ärztekammer ihren Jahresbeitrag von 60 000 Franken ersatzlos zu streichen, parteiübergreifend mit 15 Stimmen gutgeheissen wurde, hat Gründe, die eigentlich keiner grossen Erklärungen bedürfen. Der Leserbrief der ARGE Kranz-Candrian/Ospelt hatte Wirkung.
Eine kleine fehlbare Gruppe, die am meisten und immer wieder absahnt, in Schutz zu nehmen, ist einer Standesorganisation wie der Ärztekammer nicht würdig. Liebe Ärztekammer-Mitglieder, liebe Standeskommission-Mitglieder: Seid doch endlich mal mutig und zieht die schwarzen Schafe in eurer Vereinigung, die sich auf Kosten des Prämien- und Steuerzahlers auf der satten Prämienwiese überfressen, zur Rechenschaft!
In der Postulatsbeantwortung zum Thema Tarmed erfährt man, dass 15 Prozent «sportlich», wie es der Gesundheitsminister nennt, abrechnen. Ich bin nicht so diplomatisch: Wenn es ein Arzt oder eine Ärztin fertigbringt, sage und schreibe 8000 Stunden dem Staat und Steuerzahler zu verrechnen, ist dies ein Raub am System und gehört geahndet. Diese fehlbare Person sollte sich vor dem Richter erklären müssen und nicht weiterhin ihre ärztliche Raubkunst ausüben dürfen. Wir haben etliche Ärzte, die weit über eine Million Franken an steuerbarem Erwerb erzielen. Würde dieser Erwerb auf dem privatwirtschaftlichen Markt erarbeitet, würde ich kein Wort darüber verlieren. Wenn aber Millionengewinne auf dem Rücken des Steuer- und Prämienzahlers eingestrichen werden, dann sollte sich dies die Politik ernsthaft überlegen und Einsparungen im Gesundheitswesen dort machen, wo der meiste Rubel hinrollt.
Mit Neid hat dies nichts zu tun. Wenn sich aber die meisten Mitglieder eines Berufsstandes durch die Minderheit in ihren Reihen durch den Sumpf ziehen lassen und durch missverstandene Solidarität ihre fehlbaren Kollegen in Schutz nehmen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn auch sie an den Pranger geraten. Die Mehrheit der Ärztekammer hat es in der Hand, was geschieht: Den Fehlbaren sollte der OKP-Vertrag sofort gekündigt werden. Wenn dies die gesamte Ärztekammer und ihre Standeskommission anders sehen, sollen sie es die Öffentlichkeit wissen lassen. Dann wüssten wir endlich mal, woran wir sind mit der Ärztekammer.

Harry Quaderer,
DU-Fraktionssprecher,
Bildgass 25, Schaan

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