Leserbrief

Ohne Leistung kein Geld

Jo Schädler, Mechaniker mitBerufsstolz, Badäl 134, Gamprin | 5. November 2014

«Ärztekammer unterstellt Mechanikern Doppelverdienst.» Diese Überdosis Irritation seitens der Ärzteschaft, aus der die blanken Nerven hervorlugen, nahm der DU-Abgeordnete Mechanikermeister Herbert Elkuch zum Anlass, lang und breit über seinen Berufsstand zu lamentieren. Dabei erklärte er penibel den Unterschied vom Autoflicker zum richtigen Mechaniker, bis hin zum Maschinenbauer. Die Sache aber ist ja denkbar einfach. Nämlich dann, wenn die Ärzteschaft verpflichtet wird, unter den gleichen Bedingungen wie die Mechaniker zu arbeiten. Dann erst hat sie überhaupt ein Recht über einen Doppelverdienst nachsinnen zu dürfen. Aber nicht nur wegen der öligen und dreckigen Hände der Mechaniker.
So wie die Mechaniker, müssen auch die Ärzte besoldet werden. Nämlich nur bei Erfolg. Baut ein Mechaniker eine Maschine und diese läuft nicht zur Zufriedenheit des Kunden, wird der Kunde sie nicht bezahlen. Funktioniert nach einem Werkstattbesuch das Auto gar nicht mehr, wird der Automechaniker es schwer haben, die Rechnung einzufordern. So: Und dieses logische und nur gerechte System muss nun dringend auch bei den Ärzten zur Anwendung gelangen. Nämlich: Bezahlung nur bei Erfolg. Ist der Patient geheilt und vollkommen gesund, dann und nur dann bekommt der Arzt sein Geld und vorher nicht. Gelingt es ihm nicht, den Patienten gesund zu machen, dann bekommt er kein Geld. Basta. Keine andere Berufsgruppe, ausser die der Ärzteschaft, erdreistet sich, auch bei einem völligen Versagen noch eine Rechnung auszustellen. Wenn dem Baumeister der Rohbau gleich wieder zusammenfällt, entfällt auch die Rechnung. Hingegen stellt der Arzt auch dann noch eine saftige Honorarnote aus, wenn ihm seine Arbeit vollständig misslingt und der Patient ihm unter den Fingern einfach wegstirbt.
Mit diesem neuen, aber gerechten Lohnsystem können wir alle Problem auf einen Schlag lösen. Die armen Mechanikerzünfte müssen sich nicht mehr als geldgierige Doppelverdiener brandmarken lassen, die Krankenkassen haben wieder Geld, die Beiträge können gesenkt werden und wir müssen uns nicht mehr über 40 Millionen Jahresgehalt von Vasella aufregen.
Im Übrigen weiss man, dass Placebos in sehr vielen Fällen auch genügen und man muss für den Heilungsprozess die Basler Chemie nicht unbedingt immer beanspruchen. Da man aber auch weiss, dass im Gesundheitswesen auch noch sehr viele kleine Vasellas herumlaufen, haben Placebos keine richtige Chance auf mehr Marktanteile.

Jo Schädler, Mechaniker mit
Berufsstolz, Badäl 134, Gamprin

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