Leserbrief

Was kümmert uns der «Thinktank»?

Univ.-Prof. Dr. iur Víctor Arévalo,Auring 56, Vaduz | 3. November 2014

Der positive Beitrag von Günther Fritz im «Vaterland» vom 27. Oktober zum Thema «Thinktank» bewegte mich dazu, die öffentlich zugängliche Information diesbezüglich durchzuarbeiten, um mir eine Meinung über den Sachverhalt zu bilden. Zunächst fiel mir auf, dass die Stifter das Politische ausklammern und der «Wissenschaftlichkeit als Grundsatz» Nachdruck verleihen wollen. Damit öffnet sich die Türe eines Sinnes für deren Vorhaben im Rahmen der Zeitgeschichte.
2001 war kataklystisch für die Menschheit. Die internationale Hekatombe, die der Kollaps der Zwillingstürme entfesselte, halbverhüllte die für die Wissenschaften epochale Offenbarung eines Paradigmenwechsels, der sich im Weltgeist seit den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts unterschwellig vorbereitete. Die Notwendigkeit, alles Wissen neu zu formulieren, entfloss den Unvollständigkeitssätzen, die von Kurt Gödel 1931 bewiesen wurden, die Gültigkeit der herkömmlichen Mathematik aus den Angeln hob und den Stellenwert der Logik veränderte. Die Durchschlagskraft der neuen Erkenntnisse war so gross, dass sich keine Wissenschaft einem radikalen Umdenken entziehen konnte, um seine eigene Unvollständigkeit zu überprüfen, denn für alle Wissenschaften sind Logik und Mathematik grundlegend. Die öffentliche Meinung blieb jedoch bis zum Ende des Millenniums weitgehend von derjenigen Welt eines Wissens, das keine Mondlandungen, zerplatzende Space-Shuttles oder kernschmelzende Fukushimas zeigen konnten, total abgeschottet.
70 Jahre subliminales Dasein und eine 2001 abrupt ausgeträumte Verborgenheit machten den Paradigmenwechsel den Menschen als Umbruch bewusst.
Entsetzen löst es bei manchen kultivierten Weltbürgern aus, wenn diese die Ungültigkeit ihres Wissens, den Zerfall ihrer Werturteile und die Hoffnungslosigkeit ihrer Zukunftsentwürfe sich selbst eingestehen müssen. Alles fliesst, Nichts bleibt. Alles wandelt sich, auch der Wandel selbst.
Dass die fünf Stifter des «Thinktanks» die wahre Natur des Wandels kennen, wird uns klar, weil diese sich in der Neugründung voraussetzungslos zu einem Inhalt politikfreien Wissens im Dienste des gemeinsamen Wohlergehens bekennen, ohne sich dazu verleiten zu lassen, solchen Inhalt näher zu bestimmen. Damit haben die Stifter ihr Bestes getan. Als besonders positiv gilt die scheinbar unüberlegte Unterlassung des Inhalts. Daraus ergibt sich für uns, die Wissenschaftstheoretiker, die Verantwortung, konkrete Forschungsbereiche vorzuschlagen. Jenen, die mir als wesentlich vorkommen, wende ich den nächsten Leserbrief zu.

Univ.-Prof. Dr. iur Víctor Arévalo,
Auring 56, Vaduz

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