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Leserbrief

Die Nebelgranaten des Doktor S.

Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM, www.telefonie.li) | 3. November 2014

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Manchmal stellen sich Politiker gar gegen das Primat des Elfenbeinturmes der Wissenschaft und treffen Entscheidungen zum Wohle der von ihnen vertretenen Bevölkerung. So geschehen im Falle der Hochspannungsleitung Bonaduz-Sarelli-Winkeln, die – angeblich aus militärischen Gründen – über Teile des Balzner Gemeindegebiets verläuft. Nicht nur die Frage der Spannungserhöhung von 220kV auf 380 kV ist endgültig vom Tisch, nein, sogar die völlige Verbannung aus dem Gemeindegebiet samt kompletter Neuerrichtung ist nun Basis weiterer Verhandlungen. Offenbar haben die nicht enden wollenden Diskussionen über die grosse Zahl an Krebserkrankungen entlang der Trasse diese richtige Entscheidung begünstigt, wenngleich sogenannte «Experten» im Auftrag der Industrie nicht müde werden, die völlige Gefahrlosigkeit von Hoch- und Höchstspannungsleitungen gebetsmühlenartig zu wiederholen.
Ein lesenswertes Beispiel dieser Praxis finden wir in einem zweiteiligen Gastkommentar von Peter Schoeck, der in den Ausgaben des «Volksblatts» vom 9. und 20. September veröffentlicht wurde. Laut Dr. Schoeck sei die Behauptung, dass die von Wechselstromleitungen ausgehende Strahlung biologische Schäden anrichten könne, restlos absurd.
Obschon gerade er als honoriger Mitarbeiter der US-Streitkräfte im Offiziersrang es eigentlich besser wissen müsste, da er mit den Abschirmmassnahmen im militärischen Sektor natürlich vertraut sein muss. Doch sein zweiteiliger Gastkommentar «Die Legende vom Elektrosmog» besticht durch seine «wissenschaftliche» Ignoranz im Stile klassicher Lobbyarbeit. So werden kritische Stimmen in Bausch und Bogen als «Fantasien von selbsternannten Experten» denunziert und deren Verfassern niedere Motive betrügerischer Selbstdarstellung attestiert. Wir finden auch das klassische Strohmann-Argument: es wird ein Teilaspekt des Themas herausgegriffen, überhöht, verallgemeinert und somit angreifbar gemacht. In diesem Fall ist es der «thermische Effekt», welcher als physikalischer Effekt anerkannt wird und somit nicht bestreitbar ist. So vergleicht Schoeck den selbst erfundenen Wert einer Umrechnung der globalen Energieproduktion in Elektrosmog mit der natürlichen Sonneneinstrahlung und folgert daraus die Unmöglichkeit, dass Elektrosmog überhaupt irgendetwas verursachen könne. Geradezu wirr ist auch sein Vergleich des komplexen, menschlichen Körpers mit einem simplen Schindeldach. Das konkurrenzlose Highlight jedoch findet sich im ersten Absatz des Kommentars, wo Dr. Schoeck sich in die irrwitzige Behauptung versteigt, dass eine naturwissenschaftliche Theorie unwiderlegbar sei.
Nach endlosen, langatmigen Exkursen durch die Grundlagen der Physik samt Masseinheiten, Fachkürzeln und Diagrammen endet der Beitrag mit der Behauptung, Dr. Schoeck versuche ein kompliziertes Thema für Laien verständlich darzustellen. Warum bemüht er wohl hierfür ausgerechnet jene argumentative Methodik, in welcher alle auswärtigen Mitarbeiter der US-Dienste unterwiesen werden?

Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM, www.telefonie.li)

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