Leserbrief

Wer hat auf 4G als neuen LTE-Standard gewartet?

Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM) | 5. Dezember 2013

Die Begeisterung über die schrittweise Umrüstung von 3G auf 4G ist allgegenwärtig. Doch wem kommt dieser Fortschritt wirklich zugute?
«LTE» steht für «Long Term Evolution» und spezifiziert einen drahtlosen Funkstandard, der in dem Fall auch «4G» (vierte Generation des Mobilnetzwerks) genannt wird. Mit LTE/4G Orange betreiben Mobilfunkanbieter nun neben GSM und UMTS ein drittes Netz, die bisherigen werden nicht abgeschaltet. Dasselbe gilt für die anderen Mobilfunkanbieter.
Durch diese parallelen Infrastrukturen ist die Bevölkerung einer sinnlosen Mehrfachbelastung an Funkstrahlung ausgesetzt. Jede Antenne sendet nämlich auch im Leerlaufbetrieb – wenn kein einziges Gespräch darüber geführt wird – dauernd gesundheitsbelastende Strahlung aus und verbraucht dazu auch noch unnütz viel Energie.
Die Entwickler von 4G gehen davon aus, dass für die komfortable Nutzung aller Möglichkeiten eines modernen Smartphones ein noch schnelleres Internet nötig sei. Da sich ausserhalb von WiFi-Zonen, die Übertragungsraten von mobilen Geräten meist in Grenzen halten, soll 4G Vorsprung bieten. «Mit ihr sind auch über das Handynetz Übertragungsgeschwindigkeiten möglich, die bisher nur mit schnellen Glasfaserverbindungen erreichbar waren», schreibt Samsung in einer Pressemitteilung. Ein Vorteil gegenüber den aktuellen UMTS-Netzen ist also die mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich höhere Downloadrate. Damit können Fotos und Videos vom Handy oder Tablet aus viel schneller ins beziehungsweise vom Netz geladen werden. Mobilfunkanbieter werden damit in Zukunft eine ähnliche Rolle einnehmen wie Kabelnetzbetreiber, da auch online Fernsehen überall flott und von allen Plattformen aus möglich sein wird.
Während in Deutschland der LTE-Ausbau schon weitläufig abgeschlossen ist, werden die 4G-Mobilfunk-Frequenzen seit einigen Jahren von fast allen europäischen Regierungen versteigert und wecken reges Interesse unter den Telefonunternehmen. Die Frequenzen werden für meist mehrere Hundert Millionen Franken vergeben, damit füllen sich die Staatskassen. Die Mobilfunkanbieter wiederum profitieren vom Smartphone-Boom und bieten neue, passende Endgeräte an, mit denen die 4G/LTE-Nutzung überhaupt erst möglich ist. «So wie heute in jedem Laptop und vielen anderen Geräten ganz selbstverständlich WiFi integriert ist, wird in Zukunft auch LTE drinstecken. Stellen Sie sich eine Welt mit einem flächendeckend verfügbarem WiFi-Netzwerk vor. Das ist, was LTE in Zukunft bieten können wird», erklärt Jan Trionow, CEO vom Mobilfunknetz «3».
Wenn das Netzwerk immer und überall günstig verfügbar ist, werden sich wie erwartet, auch die Daten der Nutzer im Internet vermehren. Bedenklich dabei ist, dass ohnehin bereits kaum nachvollziehbar ist, wohin die Daten wandern und wer darauf Zugriff hat. Entsprechende Regulierungen seitens der Regierungen entwickeln sich nur sehr langsam, viel langsamer als der technische Fortschritt voranschreitet. Zusätzlich scheint die gesundheitliche Perspektive komplett vernachlässigt. Pausen- und grenzenlos einem noch dichteren Funknetz ausgesetzt zu sein, ist eine zusätzliche Gesundheitsbelastung und kann sicherlich nicht im Interesse der Konsumenten sein. Fraglich ist generell, ob überhaupt jemand auf LTE gewartet hat, denn auch unterwegs ist ein kostengünstiger Internetzugang bereits fast überall durch vorhandenes WiFi abgedeckt.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf www.telefonie.li.

Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM)

www.pastoralumfrage.ch

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