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Leserbrief

Papst Franziskus und ein bisserl Todesstrafe

Werner Meissl,Fürst-Johannes-Strasse 64, Schaan | 25. Februar 2016

Glaube

Er verlangt von der Weltgemeinschaft eine generelle Abschaffung der Todesstrafe. «Das Gebot Du sollst nicht töten ist ein absoluter Wert und gilt sowohl für Unschuldige wie für Schuldige.» Auch Verbrecher hätten ein unverletzliches Recht auf Leben, das ein Geschenk Gottes sei.
Warum aber ein bisserl Todesstrafe? Immerhin hat ja der Vatikan die Todesstrafe per Gesetz im Jahre 1969 abgeschafft und am 1. Februar 2001 gab der Papst die neue Verfassung des Kirchenstaates bekannt, in der sich kein Artikel mehr auf die Todesstrafe bezieht. So schön und gut, das gilt aber nur für den Staat Vatikan und der ist ja nicht die katholische Kirche.
Die Haltung der christlichen Kirchen zur Todesstrafe war jahrhundertelang klar: Gestützt auf biblisch-antike Traditionen galt der Tod als legitime Strafe wie in anderen Religionen und amerikanischen Bundesstaaten zum Teil bis heute.
So schreibt der aktuelle Katechismus der katholischen Kirche: «Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, dass der Angreifer ausserstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmässigkeit (...) der gesetzmäs-sigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschliessen.» (Nr. 2266). Einschränkend heisst es wenig später: «Soweit unblutige Mittel hinreichen (...) hat sich die Autorität an diese Mittel zu halten, denn (...) sie sind der Menschenwürde angemessener.» Und in Nr. 2298 wird ausgeführt: «In neuerer Zeit setzte sich die Einsicht durch, dass solche grausame Handlungen weder für die öffentliche Ordnung notwendig sind noch den legitimen Menschenrechten entsprechen.»
Kann sich hier der Papst in den eigenen Reihen nicht durchsetzen? Denn eine amtlich kirchliche Verurteilung der Todesstrafe ohne Wenn und Aber gibt es bis heute nicht. Und auch keine Erläuterungen dazu, welche «schwerwiegendsten Fälle» gemeint sein könnten und wie eine «öffentliche Gewalt» ausgestattet sein muss, um die Todesstrafe legitim zu vollziehen.

Werner Meissl,
Fürst-Johannes-Strasse 64, Schaan

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