Leserbrief

Der Notfallpatient Landesspital

Fraktion der Freien Liste | 26. August 2017

Gesundheitswesen

Das Liechtensteinische Landesspital hat überraschend einen Nachtragskredit beantragt. Die Botschaft des Notrufs: Wir brauchen 2,5 Millionen Franken sofort und bis 2019 weitere 2 Millionen. Danach arbeiten wir wieder kostendeckend. Lehnt der Landtag den Kredit ab, droht das Landesspital den Betrieb zu schlies-sen. Personal und Patienten stehen auf der Strasse. Wieder einmal wird der Politik das Messer an die Brust gesetzt. Hätte der Gesundheitsminister diese Situation nicht von vornherein abwenden können und müssen?
2011 setzte der Landtag eine Besondere Landtagskommission (BLK) zum Thema Landesspital ein. Damals wurden sehr viele Einwände gegenüber dem eingeschlagenen Kurs geäussert. Viele Beteiligten kritisierten, dass das Einzugsgebiet von maximal 38 000 Personen niemals in der Lage sein würde, ein Spital mit Chefarztsystem ohne Schuldenberg zu finanzieren. Hierfür braucht es ein Einzugsgebiet mit 100 000 potentiellen Patienten. Es war also bereits vor 5 Jahren klar, dass das Landesspital keine Konkurrenzstrategie, sondern eine Nischenstrategie benötigen würde. Das bedeutet, es kann nur mit einem kleinen und massgeschneiderten Angebot an medizinischen Leistungen kostendeckend arbeiten. Das Angebot muss der demografischen Struktur mit einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung angepasst sein. Die aktuelle umfassende VU-Interpellation bringt Fragen auf die Agenda, die der damalige Freie Liste-Abgeordnete Pepo Frick schon vor fünf Jahren gestellt hat. Sie blieben unbeantwortet.
Der Nachtragskredit soll gemäss Bericht und Antrag der Regierung die Grundversorgung im Land sicherstellen. Die Realität sieht anders aus. Gegenüber den umliegenden Spitälern und Kliniken ist das Landesspital nicht konkurrenzfähig. So mancher Patient im Land wünscht sogar ausdrücklich eine Behandlung in einem der umliegenden Spitäler, zum Beispiel in Grabs. Dort wird bekanntlich massiv investiert. Das schafft auch bei den Patienten Vertrauen.
Einen Sündenbock für die missliche Lage des Spitals hat der Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini bereits in den letzten Wochen in den Medien präsentiert. Die Privatklinik Medicnova soll den Rückgang der Patientenzahlen zu verantworten haben. Ob er da wohl nicht an den Symptomen rumdoktert? War es doch bereits vor 5 Jahren absehbar, dass die Konkurrenz-Strategie des Landesspitals nicht funktionieren würde.
Ein liechtensteinisches Landesspital funktioniert nur mit einer Nischenstrategie und selbst dann stellt sich die Frage, ob dies kostendeckend geschehen kann. Eine vielversprechende Ausrichtung des Landesspitals ist u. a. der Aufbau einer Geriatrie und einer Palliativmedizin. Mit diesen Leistungen übernimmt der Staat seine ethische Aufgabe unseren Senioren und Seniorinnen gegenüber. Angesichts der Bevölkerungsstruktur macht das Sinn. Es ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der über 80-jährigen Einwohner in den nächsten 10 Jahren verdoppelt beziehungsweise in den nächsten 20 Jahren verdreifacht.
Die Zukunft des Landesspitals mit beliebigen Finanzspritzen sichern zu wollen, ohne einen Strategiewechsel vorzunehmen, ist ein Trugschluss.

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