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Leserbrief

Der Papst und Xi, Zukunftsträchtiges aus der Geschichte, Teil III

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 30. November 2017

Glaube und Politik

Am 17. Dezember 1978 wurde Jorge Bergoglio SJ, jetzt Papst, 42 Jahre alt. Raúl Estol und ich schenkten ihm die Sonderausgabe des I Gings mit den 49 Schafgarbenstängeln, die Raúl selbst geschnitten, poliert und eingewachst hatte, zur Befragung. Die Jesuiten änderten die Astronomie, den Kalender und die Mathematik Chinas um 1600. China brachte hingegen seinerzeit den Europäern durch das I Ging einen neuen Begriff der Zeit und der Geschichte bei, wie W.G. Leibniz feierlich im Briefverkehr mit Joachim Bouvet SJ, Mentor des Kaisers in Peking, um 1700 eingestand. Daher unser Geschenk an JB SJ 1978, als in Argentinien eine Endzeitatmosphäre herrschte und Hunderte von Menschen auf Nimmersehen täglich verschwanden.
JB SJ wurde im März 2013 als Papst nochmals mit einer Endzeit konfrontiert. Nach 35 Jahren vatikanischer Uniformität setzte JB SJ die Verfassung der Kirche, die das Zweite Vatikanische Konzil durch Akklamation verabschiedet hatte und vom Paul VI. am 21.11.1964 unterzeichnet worden war, wieder umgehend in Kraft. Richtungsweisend für die Gläubigen war dabei die Abkehr von der in Latein gehaltenen Messe: «Kein Latein mehr, der alte Ritus ist aus!» Paul VI. hatte seine erste Messe auf Italienisch in Ognissanti gehalten. Der neue Papst feierte am 7. März 2015 die Messe auch dort, um das 50. Jubiläum jenes epochalen Gottesdienstes zu würdigen.
JB SJ sagte: «Das Unterscheidungsprinzip des Ignatius rottet die Zweideutigkeit aus und verleiht uns die Mittel des Handelns. Die Diskussion dient nur als Vorstufe.» Über ein Jahr zog sich die Diskussion hin. Auf ihre Schlussfolgerungen wendete der Papst das Unterscheidungsprinzip an, um die vatikanische Kurie bis ins Kleinste zu säubern. Mit der Rede an diese Kurie zu Weihnachten 2014 fing der Prozess an. Der Vorgang endete Juli 2017, als der Papst Erzbischof Luis Ladaria SJ zum Präfekten der Glaubenskongregation berief.
Am 14. Oktober 2016 wählten die Jesuiten Arturo Sosa Abascal SJ aus Venezuela zu ihrem neuen Generalvater. Alle frappierte, dass die Staats- und Untergrundkirchen Chinas einhellig im Entscheid übereinstimmten. 11. November 2016, Bischofsweihe in China. Haupt-, Konzelebranten und alle Bischöfe, die daran teilnahmen, hatte der Papst ernannt und der Staat feierlich anerkannt. Das Schisma war nicht mehr! Die Einheit der Kirche stellte sich spontan wieder her. Ein Wunder! Wie Xi Jinping sagte: «Wenn die Worte schweigen, reden die Taten!»
Alles, was sich der Papst März 2013 vorgenommen hatte, konnte er erreichen. An China verzweifelte er jedoch und hoffte nur noch auf ein Wunder. Dafür sorgte Xi. Die Schafgarben, die Joachim Bouvet SJ vor seinem Tod 1730 in Beijing pflanzte, blühen wieder auf. Die Ökumene lebt.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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